“Die Wunde schließt der Speer nur, der sie schlug.”

Richard Wagner, Parsifal (Dritter Aufzug)

Vielleicht ist es ja gerade dieses durch die Liebe erstarkte Ich, das in einem nicht enden wollenden Schmerz oder einer Untröstlichkeit eines Menschen letztlich doch Teil seiner eigenen Erlösung wird, wenn die Kraft der es umfangenden und einenden Liebe es aus der Bahn des Sich-Selbst-Umkreisens wirft, hinein in ein lichtes und ruhendes Schauen auf das, woran es im unerreichbar tiefsten Grunde leidet; wenn es transparent wird hin auf die Seele des Lebens und allen Seins; wenn es dienmutig liebend sich hinwendet zu allem, was ihm ein Gegenüber sein kann, heilsam einend sich selbst und das Getrennte, als Ahnung dessen, was der Mensch sein soll und werden kann.

“Wer einfach sagt, er sei niemand, ist ein Heuchler. Für die großen Heiligen und Mystiker mag das anders gewesen sein. Aber die meisten von uns sind eben keine Erleuchteten: Wir können dieser Illusion, jemand zu sein, nicht entkommen, auch nicht jener, ein autonom und frei handelndes Subjekt im klassischen Sinne zu sein. Diese Illusion gilt für uns ebenso, wie für uns die durch das Gehirn geformte Wahrnehmung eines bewaldeten Hügels wirklich ist. So leicht entkommen wir der Verantwortung nicht.”

Thomas Metzinger, Philosoph

Armer Heiliger, armer Mystiker, der niemals die Worte sagen, niemals die Worte hören kann:

“Ich liebe dich”,

weil er niemand ist, weil er kein Ich hat; weil er nicht dieses unverwechselbar einmalige Gegenüber eines anderen Menschen, dieses gewollte und nicht wegzudenkende Du eines Anderen sein kann, das liebend und geliebt ist…

(Worte eines gelegentlichen Provokateurs.)

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Gott ist dort,
wo wir Gott anwesend machen.

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Weißt du, dass sich in der Mitte deines Herzens eine Kammer befindet? Sie ist gefüllt mit der Liebe Gottes zu dir, und mit deiner Liebe zu Gott. Immer wenn du die Augen schließt und es still wird in dir, dann öffnet sich die Türe zu dieser Kammer. Du kannst eintreten, um in ihrem Licht zu erlöschen, und neu hineingeboren zu werden in die Liebe, die sie ausfüllt.

Weißt du, was eines Tages mit dieser Kammer geschehen kann? Ein anderer Mensch nutzt einen kurzen Moment, in dem die Türe noch einen kleinen Spalt offen steht, weil du sie beim Verlassen der Stille nicht wieder ganz geschlossen hast… Dieser andere Mensch schleicht sich hinein, und sogleich füllt sich die Kammer mit seiner Liebe zu dir, und diese Liebe ist die gleiche wie deine Liebe zu ihm.

Weißt du, dass Gott dann manchmal leise an der Türe der Kammer anklopfen wird? Irgendwann macht dann die Liebe des anderen Menschen, die auch deine Liebe zu ihm ist, auf und spricht zu Gott: “Ey, is besetzt. Du kommst hier net rein.” Und Gott antwortet: “Bin ja längst drin. Ist schön, Du zu sein.”

Foto: Stefan Kraus
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Die Liebe
ist die einzige Macht,
die uns ein Stück
von jener Welt zeigt,
wie Gott sie meinte,
als er uns erschuf.

Eugen Drewermann

Foto: Stefan Kraus 2013

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Ehre ohne Liebe macht hochmütig.
Pflichtbewusstsein ohne Liebe macht verdrießlich.
Besitz ohne Liebe macht geizig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.
Klugheit ohne Liebe macht betrügerisch.
Wahrhaftigkeit ohne Liebe macht kritiksüchtig.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart.
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos.
Macht ohne Liebe macht grausam.

Lao Tse, Tao te King, ca. 600 v. Paulus

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Demut
kennt weder Gewinner
noch Verlierer.

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Zeichnung: Stefan Kraus
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Was die Raupe
Ende der Welt nennt,
nennt der Rest der Welt
Schmetterling.

Lao Tse

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