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Wenn die Frage nach Gott kein Ende findet, ist sie dann vielleicht sich selbst bereits Antwort?

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Liebe will ich, nicht Schlachtopfer,
Gotteserkenntnis statt Brandopfer.

Hosea 6,6

 

Nicht mehr Gott bringen wir Opfer dar,
sondern dem Konsum und dem Fortschritt.

Wir können uns nicht herausreden:
Sie sind unsere Zweit-Götter.

Luxus ist uns näher als Liebe,
wissenschaftliche Erkenntnis ist uns wichtiger als Gotteserkenntnis.

Wir können uns nicht herausreden.

Unser Konsum- und Kaufverhalten sowie unser politisches Verhalten als Bürger und Wähler (in diesem Land regiert eine gewählte Partei mit der Bezeichnung „Christlich“ im Namen!) gehört zu unserem religiösen und spirituellen Leben dazu wie ein Gebet oder eine Meditation. Dieses Verhalten spricht eine klare Sprache und hält die grausame Opfermaschinerie in Gang.

Wir können uns nicht herausreden.

Wir opfern unseren Zweitgöttern was das Zeug hält.

 

Tierversuche

Bildquelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.

 

Ich sehe an den Blog-Statistiken, dass solche Beiträge (das ist ja nicht der erste dieser Art hier) nur wenig und nicht gerne aufgerufen werden. Das ist verständlich bei jenen, die immer wieder hingesehen, ihr Herz geöffnet und dann ihr Leben entsprechend verändert haben. Solche Bilder schmerzen solche Menschen besonders. Doch was ist mit den anderen? Erkläre es mir.

 

Foto: Stefan Kraus 2013

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Vielleicht erreiche ich Gott nie wirklich, und Gott nie wirklich mich , weil ich nicht bereit bin, mir einzugestehen, dass alle meine Motive, in denen ich Gottes Wirken zu vernehmen meine, meine Motive Gutes zu tun, meine Motive zu beten, meine Motive zu meditieren, meine Motive zu vezeihen, meine Motive zu lieben, ja, dass alle meine heiligen Motive nichts als eine einzige große Lüge sind. Vielleicht muss ich erst erkennen, dass der wahre Antrieb hinter meinen Motiven eben nicht mit meinen Motiven übereinstimmt. Vielleicht muss ich erst zutiefst erschrecken, daran scheitern, ja regelrecht zerbrechen an dem Anblick des von meinen Motiven entkleideten, nackten Antriebes, der letztlich nur ich selbst bin, mein Lebens- und Überlebenswille, und der mir selbst und meinem Dasein zumindest einen kleinen Rest an Wert beimessen und um jeden Preis erhalten will, der aber doch kein Wert ist, sondern nur ein Bild eines Wertes, geformt in den Augen anderer und so meiner selbst. Vielleicht muss ich diesen letzten „Wert“, den ich mir selbst beimessen zu dürfen glaubte, fallen lassen, bis ich wirklich am tiefsten Grunde meiner Seele erschütternd arm bin, arm vor Gott, und arm an Gott, Gott verlassend und gottverlassen.

Vielleicht muss ich erst einmal fallen, diesmal ohne Netz, und bodenlos, damit Gott, so er will, mich auffangen und halten kann.

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter meinem Dach. Kein „aber“. Tu, was du willst.

O großer Geist,
dessen Stimme ich in den Winden vernehme
und dessen Atem der ganzen Welt Leben spendet,
höre mich.

Ich trete vor dich hin als eines Deiner vielen Kinder.
Ich bin klein und schwach.
Ich bedarf Deiner Kraft und Weisheit.

Lass mich in Schönheit wandeln
und lass meine Augen immer den roten und purpurnen Sonnenuntergang schauen.
Lass meine Hände die Dinge verehren,
die Du gemacht hast,
und meine Ohren Deine Stimme hören.

Schenke mir Weisheit,
damit ich die Dinge, die Du mein Volk gelehrt hast,
und die Lehre, die Du in jedem Blatt und jedem Felsen verborgen hast,
erkennen möge.

Nicht um meinen Brüdern überlegen zu sein, suche ich Kraft,
sondern um meinen größten Feind bekämpfen zu können – mich selbst.

Mache mich immer bereit,
mit reinen Händen und geradem Blick zu Dir zu kommen,
damit mein Geist,
wenn dereinst mein Leben verblasst wie die untergehende Sonne,
ohne Scham zu Dir kommen möge.


Anrufung der Sioux-Indianer


aus: Die schönsten Gebete der Welt, Hrsg. Christoph Einiger und Charles Waldemar, Cormoran, München 1996, S. 157

Jeder Flut folgt Ebbe.
Voller Sehnsucht stehe ich am Ufer und warte.
Wie lange noch?
So kurz scheint jede Zeit der Flut,
so lang die Zeit der Ebbe.
Kein Steg reicht dann bis an das Wasser heran.
Mir ist, als würde ich vertrocknen
ohne den Geliebten.
Ich weiß, er ist nicht fort,
nur unerreichbar,
in dieser Zeit,
die nichts verändern kann.

Jeder Ebbe folgt Flut.
Auf dem Steg gehe ich dem Ozean entgegen.
Wenn das Wasser hoch genug ist,
springe ich hinein,
lasse mich von den Wellen tragen,
tauche ein.

Aus diesem Ozean entstamme ich.
Immer wird es mich zu ihm hinziehen.
Eines Tages werde ich Ufer und Steg verlassen,
auf trocknendem Boden dem ziehenden Wasser folgen,
und in seiner Rückkehr
mich ihm noch ein letztes Mal überlassen,
ganz
mich lassen.

In der Theologie – insbesondere der christlichen – wird die Fragestellung, ob wir mit den Tieren besser umgehen sollten, als wir es in unserer Gesellschaft allgemeinhin tun, in aller Regel von der Frage abhängig gemacht,

ob die Tiere eine Seele hätten.

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Doch was ist das für eine abstruse Fragestellung?
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Es ist doch zuallerst zu fragen,
ob Tiere
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empfinden können,
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leiden können,
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leben wollen.
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Mitgefühl braucht keine Theologie.
Nur ein offenes Herz.

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Eine mitfühlende Seele weiß um die Seele der Tiere.
Denn im Mitgefühl weist die Seele über sich selbst hinaus.

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Mein lieber Freund,

heute ist Sonntag. Ein Sonntag im November. Den Morgenspaziergang, bei dem du mich früher immer begleitet hast, habe ich über den Friedhof gemacht. Die Feuchtigkeit des Nachtfrostes stieg in der sanften Wärme der noch tief stehenden Morgensonne über den Gräbern als kleine Wölkchen auf. So, als wollten die Seelen aus den unterkühlten Gräbern in den blauen Himmel diffundieren. Das ist ein schweres Wort. Habe ich erstmal nachgucken müssen, wie man das schreibt.

Drei Jahre bist du nun schon tot. Noch immer vermisse ich dich wahnsinnig. Manchmal weine ich sogar etwas. Dein Grab ist nicht auf dem Friedhof. Das hätten die auch nicht zugelassen. Was aber gut ist, weil du mir so näher bist. Du liegst an deinem Lieblingsplatz, mitten zwischen den Blumen in meinem Garten. Oft stehe ich dort an deinem Kreuz mit der weißen Rose davor, und denke:

Wenn es einen Grund gibt, warum es einen Himmel geben muss, dann bist du dieser Grund.

Ich weiß noch, du mochtest nie gerne schwimmen. Aber wenn ich ins Meer hinaus geschwommen bin, dann hast du nicht gezögert, mir hinterher zu schwimmen, bis du mich erreicht hast. Dann musste ich dich immer in meine Arme nehmen und zurücktragen an das sichere Ufer. Nun bist du hinausgeschwommen, alleine, in die dunkle Ungewissheit, und ich stehe noch immer hier, auf der anderen Seite. Manchmal kommt mir das gemein vor von mir, als hätte ich dich im Stich gelassen. Dann stelle ich mir vor, wie du glücklich über grüne Wiesen tollst, da oben, mit deinem zerkauten Stöckchen im Maul, das in Wirklichkeit aber, hier unten, noch immer über deinem Körbchen hängt. Nein, wenn ich ehrlich bin, kann ich nicht wirklich daran glauben. Und wieder denke ich:

Wenn es einen Grund gibt, warum es einen Himmel geben muss, dann bist du dieser Grund.

Einmal habe ich Gott gefragt: „Du, Gott, sag mal, hast du auch einen Himmel gemacht, so mit grünen Wiesen und so?“ Aber er hat nur geantwortet:

„Werde still, und lass es den Wind sagen.“

Heute ist Sonntag. Ein Sonntag im November. Ein windstiller Sonntag im November.

Eine Taube sitzt auf einem weißen Birkenast und wärmt sich in der herbstlichen Vormittagssonne. Rowdy liegt im Vorgarten, ein paar Häuser weiter. Weißt du noch, wie er dir mal ein Loch ins Ohr gebissen hat? Er ist alt geworden, ganz grau im Gesicht. Sicher wird er bald zu dir kommen. Versprich mit bitte eines: Markier‘ dann nicht dein Revier. Das würde ihn sicher wütend machen. Und Gott auch. Oder hast du schon mal gehört, dass Putzlappen auch in den Himmel kommen? Naja, für dich würde ich sogar mit meinen nagelneuen, schneeweißen Engelsflügeln die Wolken wieder blitzblank polieren, wenn es dann soweit ist, dass auch meine Seele diffundiert. Falls es denn einen Himmel gibt.

Aber wenn es einen Grund gibt, warum es einen Himmel geben muss, dann bist du es.

Bis bald.
Dein Freund.

Sprechen über Mystik (3) – Ethik in der Mystik

Schon immer nahm der Tod in den Religionen eine zentrale Stellung ein – genauer: das, was dem Tode folgt. Die damit verbundenen Glaubenssätze führten und führen in aller Regel in ein religionsspezifisches Straf- und Belohnungssystem mit entsprechenden Ge- und Verboten, und so (auch) in einen ethisch-moralischen Kodex.

Für manche Mystiker hingegen bedeutet der Tod das Ende der Seelenentität – sofern sie die Existenz einer solchen überhaupt bejahen. Vergröbert lässt sich dabei vielleicht von zwei Sichtweisen sprechen: In der einen sind alle Formen nur Manifestationen des Einen, in der anderen sind alle Formen nur Erscheinungen des Einen. Der Unterschied liegt dabei hierzulande – ohne das zu verallgemeinern nur tendenziell betrachtet – in der Bedeutungszumessung. Während die Manifestation ein Seiendes ist, haftet der Erscheinung nicht selten eher das Attribut des quasi Illusorischen an. Entsprechend wird gelegentlich heutzutage der Manifestation eine hohe bzw. höhere Bedeutung zugemessen, der Erscheinung keine bzw. nur eine geringe. Hieraus können sich unterschiedliche ethische Motivationen und Haltungen ergeben. Da in diesen Sichtweisen ein Straf- und Belohnungssystem fehlt, kann beispielsweise eine Art „immanenter“ ethischer Motivation zugrunde liegen, oder aber eine ethische Motivation kann fehlen.

Hören wir z.B., was Ken Wilber dazu sagt:

„Dabei ist es sehr wichtig zu verstehen, dass Ethik ein Behälter für die Arten von höherer Verwirklichung ist, die auftreten können. Dies ist speziell vor dem Hintergrund davon wichtig, was hier (im Westen A.d.Ü.) in den vergangenen 10, 20 oder 30 Jahren geschehen ist, wo wir einem Missverständnis erlegen sind, was „Sei hier und jetzt!“ bedeutet. Oder „Jenseits von Gut und Böse“ und „Verrückte Weisheit“ (‚crazy wisdom‘).

Denn dadurch ist der Eindruck entstanden, dass Erleuchtung jenseits von Ethik ist. Und in gewisser Weise stimmt das auch – man muss nicht ethisch handeln, aber auch nicht-ethisches Handeln ist immer noch dualistisch, und damit ist es jenseits von Nirgendwo – es ist lediglich ein fotografisches Negativ von ethischem Handeln.

Das fotografische Negativ von ethischem Handeln jedoch bedeutet, ein Arschloch zu sein – die Vorstellung also, es genüge, ein egozentrischer Trottel zu sein und zu tun und zu lassen, was man will, um absolutes bodhichitta zu erlangen… Jedoch: Das ist nur ein fotografisches Negativ von relativem bodhichitta: Unethisches Verhalten bringt dich nicht zur Erleuchtung, es führt dich in einen Albtraum – einen äußerst unglücklichen Traum. Nebenbei bemerkt, es gibt im Osten keine Tradition von ‚crazy wisdom‘! Dies wurde von drei amerikanischen Lehrern erfunden, betrunken und von Frauen besessen, um ihr Verhalten zu rationalisieren.“

Integrales Forum: Ethik – Ein intersubjektiver Yoga (2)

Es ist an dieser Stelle keine intellektuelle Diskussion solcher Sichtweisen beabsichtigt. Worauf es ankommt, ist eine Sensibilisierung für die Gefahren, die mit der Rationalisierung und Kommunikation mystischer Erfahrung verbunden sind, und die sich schon nur aus einer bestimmten Wortwahl ergeben können. Das bedeutet andererseits aber auch nicht, den Verstand in seiner in das Leben drängenden Spiritualität auszuschalten. Das „ethische Arschloch“, wie Wilber es nennt, hält sein Herz verschlossen. Der „Licht-und-Liebe-Träumer“ (man verzeihe mir diesen nur ausnahmesweise gebrauchten polemischen Begriff) hingegen hält seinen Verstand verschlossen, und lebt nicht selten letztlich dadurch selbst auch unethisch, weil die Verstandesuntätigkeit zu einer Ausblendung von Realität und kognitiver Dissonanzen führt – mit allen entsprechenden Folgen hinsichtlich des eigenen Handelns. Es kann auch nicht darum gehen, mal „auf den Kopf“, und mal „auf den Bauch“ zu hören. Beide Extreme der Nicht-Ethik blieben so potentiell erhalten. Die Chance, die Mystik bietet, ist Herz und Verstand in eine Einheit zu überführen. Hier bedarf es keines Straf- und Belohnungssystems mehr, um ein ethisch-moralisches Leben zu führen. Und es bedarf keines intellektuellen Konstruktes (so legitim dieses ist!), um sein Herz zu rechtfertigen.

Erkennbar wird dann auch, dass nicht der Tod das Mysterium des Lebens ist, sondern das Leben selbst. Grund genug für Ethik.

Was kann die Mystik über den Tod aussagen?

Nichts.

Es gab und gibt Mystiker, die über den Tod, und über das, was vielleicht dem Tod folgt, schweigen. Doch es gibt auch Mystiker, die darüber etwas sagen. Schaut man genauer hin, erweisen sich diese Aussagen letztlich nur als in kausalem Denken gewonnene Ableitungen von Grundannahmen, die (wohl kulturell bedingt unterschiedlich) als aus mystischen Erfahrungen gewonnen gesetzt werden.

Unmittelbar in der mystischen Erfahrungen schaut man nichts über den Tod oder das, was ihm folgt. Er ist darin schlichtweg nicht existent.

Libera me, Domine, de morte aeterna.

Antworten auf diese Fragen bieten die Religionen. Die Frage danach, was dem Tod folgt, ist so alt wie die Menschheit. Vermutlich war sie überhaupt einer der Samen für das Entstehen von Religion in der Evolution.  Noch heute kreisen Religionen wesentlich um das, was dem Tod folgt. Aller „Wert“ und alle Bedeutung eines jeden Lebens wachsen ins Unermessliche angesichts der schein- oder offenbaren Endlichkeit seiner unvergleichlichen und kostbaren Einzigartigkeit.

Der Glaube ist ein Spiegel der Wirklichkeit Gottes.

Auch der Mystiker kann nicht schauen und lehren, was dem Tod folgt. Aber vielleicht kann er erkennen, was die Frage nach dem Tod bedeutet.

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