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Vielleicht bedurfte es eines Blicks in einen Seelenspiegel, um zu erahnen, dass die vielen Adaptionen gewachsener Religionen in ein sich weitendes Bewusstsein möglicherweise nur Versuche sind, mit Hilfe bemühter Konstrukte nicht den verbliebenen Rest von Beheimatung zu verlieren…

 

 

Sind nicht die Kernerfahrungen der großen Religionen nur Facetten erster vorsichtiger Erkenntnis der einen Wirklichkeit, die alles umfasst, innen wie außen, Geist wie Materie, Leere wie Form, Leben im Kosmos wie davor und danach? Zeichnet sich nicht längst ab, dass auch die Naturwissenschaften trotz ihrer zunehmenden Diversifizierung „im gleichen Ozean tauchen“?

Die Vielfältigkeit in allen Bereichen des Daseins und Werdens lässt sich nicht leugnen, und sie hat ihre wichtige Bedeutung. Doch sie trennt nicht länger, wenn sie begriffen wird als das, was sie ist: Facetten eines Kristalls.

Letztlich ist auch die zunehmend beobachtbare Regression in der Welt, ob politisch, sozial oder religiös, nichts weiter als ein Anklammern an Resten von scheinbar Sicherheit bietender Beheimatung angesichts der aufdämmernden Erkenntnis, dass hinter der Vielfalt allen Phänomenologischens etwas Einendes sichtbar wird, dass über das Phänomenologische hinausweist. Wir als Menschen sind wohl noch zu klein und zu jung in diesem Kosmos, um mit diesem scheinbaren Paradoxon umgehen zu können. So bewegen wir uns lieber als Fremde in der eigenen Familie und als Ortsunkundige in der eigenen Heimat.

Beginnen wir doch damit, Mut zu sammeln.

 

Es ist eine der Fragen, auf die meine Beiträge der vergangenen acht Monate hinauslaufen…

Ist Christ-Sein überhaupt eine Religion? Klar, das Christentum ist eine Religion (die mehr von Paulus als von Jesus von Nazareth ausging). Eine Religion mit so überraschend vielen unterschiedlichen Konfessionen und divergierenden Theologien, dass man fast schon von vielen Religionen sprechen könnte. Und aus dieser Perspektive ergeben sich natürlich Definitionen des Christ-Seins mehr oder weniger übereinstimmender Provenienz.

Doch wenn man außerhalb dieses historisch (und damit theologisch) gewachsenen Kontextes fragt, zurückblickend auf die Wurzeln, die in und hinter den Schriften und Zeugnissen aufleuchten, und vielleicht sich umschauend und vorausblickend, wenn…

Was bedeutet dann Christ-Sein? Welche Antworten kann die Kenntnisnahme anderer Religionen geben? Welche Antworten kann ein Blick in den Kosmos geben? Welche Antworten können mystische Erfahrungen geben? Welche Antworten können die Datensammlungen und Erkenntnisse der Nahtodforschung geben? Welche Antworten können Spiritualität einbeziehende Philosophien geben? Welche Antworten kannst du geben?

„Man wird also sagen müssen: das spezifisch Christliche bei den Christen besteht darin, zur Existenzform Jesu zu finden. Nicht zu Gott und nicht eigentlich zu Jesus, sondern zu seiner Existenzform. Das ist der Sinn von Nachfolge. Es handelt sich, pointiert ausgedrückt, nicht um das Bekenntnis zu ihm, sondern um das Sein und Bleiben in ihm. Beide brauchten sich nicht auszuschließen. Aber es geht nicht um Personenkult und nicht um die Fetischierung von Namen, sondern um die Wahrheit, die konkret ist. In diesem Falle geht es darum, an der Existenzform Jesu abzulesen, welches die letzte, das Menschenleben bestimmende Wirklichkeit sei und wie man sich zu ihr verhalte.“

Max Seckler, in: Wer ist das eigentlich – Gott?, Stuttgart 1969

„Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten.“

1 Tim 2,11-12

Sieht man sich an, wie Jesus von Nazareth den Frauen begegnet ist, und dann das, was nur zwei oder drei Jahrzehnte nach seinem Tod die Hüter seiner Lehre sagen, kann man schon erschrecken.

Wenn Gott vor zweitausend Jahren nicht seinen Sohn, sondern seine Tochter auf die Erde geschickt hätte – um es mal so naiv-kirchentheologisch zu formulieren – , dann wäre das Christentum wohl komplett ausgefallen.

Eine Gesetzesreligion war das letzte, was Jesus von Nazareth begründen wollte. Eine Gesetzesreligion war das erste, was man in seinem Namen erschuf.

Natürlich machen heute einige Konfessionen in solchen Dingen etwas anders. Aber die „innere Struktur“ des Menschen ist im Grunde unverändert so wie vor zweitausend Jahren. Der „neue Mensch“ ist noch nicht wirklich geboren, ja nicht einmal klar erkennbar. Der „alte Mensch“ hält uns die Augen zu.

Das glaube ich:

Das Christentum ist nicht an seinem Ende angelangt. Es hat noch nicht mal richtig begonnen.

Daran glaube ich:

Es ist möglich.

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Zugehöriger Beitrag: Homo incurvatus in se

Das geschieht: Der Kontakt bricht ab.

Religion ist die Versprachlichung von Erfahrung.*

Und wenn es auch seltsam klingt: Gleichzeitig ist die Versprachlichung die Voraussetzung dieser Erfahrung.

Die Ganzheit lässt sich nicht gewinnen, indem man Teile von ihr aufgibt.

 

Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
Joh 1,1-3

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* Religion ist hier in ihrer Gesamtheit und im weitesten Sinne gemeint, einschließlich nicht-konfessioneller Spiritualität. „Erfahrung“ lässt sich im Plural lesen.

Im Rückgriff auf den Beitrag In wachsenden Ringen, Teil 2:

Was wird sich entwickeln, wenn ich tatsächlich alle Konzepte fallen lasse? Die Begriffe und Konzepte von Gott und dem Göttlichen, von Dao und Brahman, von Shunyata und Nirwana, die Konzepte von Christus, Buddha und integralem Holismus? Sämtliche religiösen und spirituellen Konzepte, einschließlich ihrer philosophischen und psychologischen Anteile?

Wenn ich künftig statt dessen ausschließlich darauf meditiere, meinen Geist zu leeren? Wenn ich allein das „reine Gewahrsein“, das wort- und bildlose Bewusstsein meditiere, und jegliches Gedankengebäude davor und danach, darüber und darunter konsequent in meinem Leben weglasse?*

Was wird geschehen?

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*Auch das „reine Gewahrsein“ (dieser Begriff ist lediglich eine Krücke für die Kommunikation) meditiere ich nun seit 13 Jahren, habe es allerdings nie ohne konzeptualen Rahmen getan.

„Mir war offensichtlich nicht so klar, dass das Bewusstsein nie konkret-punktuell auf einer Stufe zu finden ist, sondern immer auch gleichzeitig nach vorne (oben) und zurück (unten) greift. Die Stufe der Bewusstseinsentwicklung ist also mehr ein statistischer Ort, und seine Bestimmung (Lokalisation) mehr eine Wahrscheinlichkeitsannahme.“

„Wenn die transistente Verdichtung ihre Schwerpunkteigenschaft verliert und zu einem persistenten Fundament für neue Aufweitungen wird, ist es an der Zeit, nicht länger an vertrauten Begriffen und Konzepten festzuhalten, sondern – so schwer es auch fallen mag – entschlossen den nächsten Schritt zu wagen.“

(Notizen aus meinem Tagebuch)

*

Baumringe

*

Es ist wieder Ostern, und das Osterlamm, das Lamm Gottes [lat. Agnus Dei], rückt für eine Weile in den Bewusstseinsfokus unserer christlich geprägten Gesellschaft.

„An den Nordseedeichen sind große und kleine Schafe wieder unermüdlich grasend unterwegs. Herzerweichend besonders im Frühjahr, wenn die niedlichen Osterlämmchen ihren Müttern nicht von den Hufen weichen.“   (Nordfriesische Lammtage 2015)

Ostern. Eine besondere Zeit für Christen, Gourmets und Tierschützer.

 

*

„Hast du ein verlangendes Herz,
oder ein narkotisiertes?“

Papst Franziskus

*

*

*

Sie halten das, was Sie in diesem Video sehen, für einen verwerflichen Einzelfall? Schauen Sie doch mal hier, oder hier.

Gestern hatte ich Einsicht in eine Schlachthausgenehmigung. Für ein nicht mal sonderlich großes Schlachthaus. Provinziell eher. Bis zu 3000 Rinder und 2000 Schafe. Pro Woche. Was denken Sie, wie „human“ so etwas abgehen kann? Waren Sie mal in einem Schlachthaus? Und da ist es auch – mit Verlaub – scheißegal, ob es sich um „Bio“-Fleisch handelt oder nicht. Bio heißt Leben (griech.), nicht Tod.

Aber es geht ja nicht mal „nur“ um das Schlachten. Man muss bei dem heutigen medialen Informationsangebot schon ein ziemlich „narkotisiertes Herz“ – oder einen wahrhaft extremen Tunnelblick – haben, wenn man das Geschehen in der „Nutztierhaltung“ nicht bemerkt, oder den betroffenen Wesen das Mitgefühl verweigert.

Sobald Sie dem „lieben Gott“ die Türe zu Ihrem Herzen mal ganz öffnen, und nicht bloß durch einen kleinen Spalt etwas von seinem Licht zu sich hereinlassen, wird er sich Ihres Innenraumes bemächtigen und Sie entmachten. Seine Liebe wird Ihre Wohlfühlperspektiven gnadenlos zerfetzen. So leicht werden Sie keine Ruhe mehr finden. Gottes Liebe ist kein Kuschelkissen, auf dem man sich ausruhen kann. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie erst dann so richtig etwas von Ostern verstehen werden, von Passion, Sterben und Auferstehung des immer-noch-mensch-werdenden, liebenden Gottes.

„Herzerweichend besonders im Frühjahr, wenn die niedlichen Osterlämmchen ihren Müttern nicht von den Hufen weichen.“ „Für Gourmets ein Hochgenuss“, geht es auf derselben Internetseite weiter (s.o.). Herzerweichend. So vom Herzen des Menschen zu sprechen, ist ein Symptom der morbid-pathologischen Wohlfühlperspektive unserer christlich-abendländischen Kultur. Herzerweichend. Auch dafür stehen Gründonnerstag und Karfreitag: Wir töten und essen, was wir lieben. Die Kreuzigung spiegelt unser Bewusstsein wider. Doch wir verklären das, statt es zu verstehen. Ostern: Das ist die Auferstehung eines neuen Bewusstseins. Eines Bewusstseins des Lebens. Kann uns das gelingen?

Mit der Kreuzigung endet Gottes Diplomatie.

 

„Das Nichtvorhandensein einer Advaita-Erfahrung (Sanskrit: advaita = Nicht-Dualität) – obwohl sie der Schlüssel für eine philosophische Anschauung der Trinität ist – hat dazu geführt, dass das Christentum sich von einem panischen Schrecken vor dem so genannten Pantheismus erfassen ließ. Wer den Monismus meiden will, gerät in die Gefahr des Dualismus: Gott und die Welt trennen sich radikal, wodurch der transzendente Gott immer überflüssiger wird, da er sich in einen Himmel zurückgezogen hat, der nicht mehr der astronomische ist, sondern ein Konzept. Der Schöpfer ruhte nicht nur am siebenten Tag, sondern zog sich, wie es den Anschein hat, in sein Reich zurück und ließ von der Schöpfung ab, da er ja einen evolutionistischen Superautomatismus angeregt hatte.

Der Mensch ist Gemeinschaftswesen; aber die menschliche Gemeinschaft ist auch kosmisch. Der Mensch ist integrierter und sogar konstituierender Bestandteil des Kosmos. Die Natur ist einer der Orte, wo der normale Mensch mit dem göttlichen Mysterium tiefer in Berührung kommen kann. Unser Kontakt mit der Natur ist nicht vorrangig begrifflich, sondern lebensnah, was die Anteilnahme unseres Intellekts an der Erfahrung der Natur nicht ausschließt.

Die Welt ist der Leib Gottes, nicht in cartesianischer Trennung, sondern in positiver Symbiose, wo die Differenzen nicht beseitigt werden, aber die Trennung überwunden wird.

Die „Schöpfung“ ist nicht vom „Schöpfer“ getrennt. Wenn der Schöpfer für einen Augenblick von der Schöpfung abließe, würde die Schöpfung ins Nichts zurücksinken, wo sie hergekommen ist. Im Rahmen der Kausalität kann der Intellekt sich bis auf Gott zurückführen, aber der Mensch ist nicht reiner Intellekt, und seine Verbindung mit Gott ist unmittelbar und bedarf nicht der Vermittlung des Verstandes – obgleich dieser den rationalen Weg bahnen kann.“

Raimon Panikkar

Quelle: Visionen, „Die Einheit von Gott, Mensch und Welt“

Eine Skizze

 

Vielleicht kann man sich an den Gedanken gewöhnen, dass im 21. Jahrhundert es für alle Religionen an der Zeit sein könnte, vorrational-magisches Bewusstsein in rationales und transrationales Bewusstsein zu überführen.

Vielleicht kann man sich an den Gedanken gewöhnen, dass sich auch das Christentum und Christ-Sein von aller Magie befreien ließe. Dass Jesus von Nazareth nur ein Mensch war, seine Gottessohnschaft keine physische Personalisierung Gottes und keine Vergottung der physischen Person Jesu bedeutet.

Vielleicht kann man sich an den Gedanken gewöhnen, dass den dunkelhäutigen Mann aus Nazareth mit den kurzen schwarzen Haaren diese Gotteskindschaft nicht separiert. Dass dieser Mann namens Jeschua nach seinem Tod nicht leiblich auferstand und es keine physische Himmelfahrt gab.

Vielleicht könnte man sich daran gewöhnen, dass dieser junge Wanderprediger aus Nazareth eine Lehre (Botschaft) hatte, gelehrt in Worten und Lebensführung. Eine Lehre, die aus religiösen, spirituellen, psychologischen, sozialen und ethischen Elementen besteht. Eine Lehre, die selbstverständlich auch der Kultur ihrer Zeit unterlag, und der Fortentwicklung unterliegen darf (und sollte). Eine Lehre, die uns auch nötigt, selbständig nachzudenken und Verantwortung zu übernehmen.

Vielleicht könnte man sich daran gewöhnen, dass dieser Jeschua eben nicht Anbetung seiner Person einforderte, sondern einlud, ihm zu folgen, zu werden wie er: Ein Sohn (oder eine Tochter) Gottes, ein Gesalbter – ein Christ(us), ein Erlöser für sich und andere. Dass er uns eine persönliche und liebende Gottesbeziehung beibringen wollte, die keine Vermittler (Priester) benötigt, und uns nicht (oder nicht nur) auf ein „Jenseits“ ausrichtet, sondern ein Leben im Hier und Jetzt und in Fülle schenken soll.

 

Vielleicht ließe sich denken,
dass Jesus von Nazareth nicht der Kern des Christentums ist,
sondern der Ausgangspunkt.

 

Und dass nach ihm andere wahre Söhne und Töchter Gottes kamen und kommen werden – auch in anderen Religionen und außerhalb der Religionen.

 

Der Kern des Christentums ist nicht Jesus,
sondern Christus.

 

Und (ein) Christus ist (potentiell) jeder Christ. Ein Kind Gottes. Sohn oder Tochter Gottes. Eins mit dem „Vater“.

Jesus Christus. Paulus Christus. Giovanni Battista Bernardone Christus. Theresa Christus. Ali Christus. Otto Christus. Britta Christus.
 

 

 
Wann gelingt es uns, damit aufzuhören, Gott nach unserem Bilde zu erschaffen, und zuzulassen, dass Gott uns nach seinem Bilde erschafft (Gen 1,27)?

Wann gelingt es uns, Gott nicht länger als ein Ding, als ein Etwas anzusehen, und damit zu beginnen, Gott als das in der „Schöpfung“ prozesshafte, von einer gesonderten Eigenexistenz leere Sein, Gott wesentlich als Beziehung, zu erkennen, deren Wirkkraft und Verdichtung menschliche Begriffe Liebe nennen?
 
 

„Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.“
Römer 11,36

 

 

 

„Science and Spirituality:

They are two different
windows to look at reality.

They complement rather
than oppose each other.“

Trịnh Xuân Thuận

 

Buchempfehlung: „Quantum und Lotus“ von Trịnh Xuân Thuận und Matthieu Ricard, Goldmann, München 2001/2008

Integral„Jahrhundertelang haben die kontemplativen Traditionen innerhalb der großen Weltreligionen die Landschaft der inneren Erfahrung untersucht. Sie haben präzise und reproduzierbare Methoden praktiziert, um den Geist positiv zu verändern und zu trainieren. Gleichzeitig hat die westliche Wissenschaft unser Verstehen der materiellen Welt exponentiell erweitert. Heute arbeiten immer mehr Wissenschaftler und Kontemplationsübende zusammen, um ein vollständigeres Bild der menschlichen Erfahrung zu erkennen.“

Quelle: http://www.arbor-seminare.de/die-neue-wissenschaft-des-geistes

 

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