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„Man wird also sagen müssen: das spezifisch Christliche bei den Christen besteht darin, zur Existenzform Jesu zu finden. Nicht zu Gott und nicht eigentlich zu Jesus, sondern zu seiner Existenzform. Das ist der Sinn von Nachfolge. Es handelt sich, pointiert ausgedrückt, nicht um das Bekenntnis zu ihm, sondern um das Sein und Bleiben in ihm. Beide brauchten sich nicht auszuschließen. Aber es geht nicht um Personenkult und nicht um die Fetischierung von Namen, sondern um die Wahrheit, die konkret ist. In diesem Falle geht es darum, an der Existenzform Jesu abzulesen, welches die letzte, das Menschenleben bestimmende Wirklichkeit sei und wie man sich zu ihr verhalte.“

Max Seckler, in: Wer ist das eigentlich – Gott?, Stuttgart 1969

Foto: Stefan Kraus 2016

Herr, mein Herz ist nicht stolz, nicht hochmütig blicken meine Augen.
Ich gehe nicht um mit Dingen, die mir zu wunderbar und zu hoch sind.

Ich ließ meine Seele ruhig werden und still;
wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.

Harre auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit!

Psalm 131, Der Frieden in Gott

„Damit der Baum der Erleuchtung wachsen kann, müssen wir guten Gebrauch von unseren Sorgen, unserem Leid machen. Es ist wie bei der Anzucht von Lotusblumen:Lotusblumen wachsen nicht auf Marmor. Ohne Schlamm können wir keine Lotusblumen aufziehen.“

Thich Nhat Hanh, „Ärger“, Verlag Goldmann, München 2007

„Jesus: Was heilig ist, das gebt nicht den Hunden, damit sie es nicht in den Dreck ziehen! Werft keine Perlen vor die Schweine, die nichts daraus machen!“
EvTh 93

Menschen, die nichts, oder nicht viel von Gott verstehen, respektive nicht an Gott glauben, neigen manchmal – bewusst oder unbewusst – zu der Ansicht, gläubige, religiöse und/oder spirituelle Menschen müssten doch per se bessere, „heilige“, völlig selbst- und fehlerlose Personen ohne eigene Bedürfnisse, ohne Grenzen und Abgrenzungen, ohne Schwachstellen sein. Selbst wenn ihnen ihr Verstand sagt, dass dies natürlich nicht so ist, entstehen dennoch im Erfahren menschlicher Realitäten, auch mit all ihren aufbrechenden Abgründen, gegenüber Gottsuchern und Gottnahen Vorurteile und Verurteilungen.

Wenn ihnen nicht zutiefst klar ist, dass auch der gläubige Mensch, genauso wie sie selbst, um psychische Integrität, um Ethik und Moral, um soziale Gesundheit und ein „anständiges Leben“ ringen und kämpfen müssen, entsteht schnell ein Graben zwischen ihnen und den „Anderen“, den Gläubigen, den Gottsuchern und Gottnahen. Wie leicht drängt sich der Vorwurf der Heuchelei auf, wenn der „doch angeblich an Gott angebundene Mensch“ vor sich selbst oder vor anderen scheitert, nicht gesund ist, oder auf seinen Grenzen besteht, die ihm einen Raum der Heilung gewähren sollen.[1]

„Du bist bereits ein Kind Gottes und mit allem ausgestattet, was du brauchst, um mit dem Göttlichen mitzuschwingen. Das bedeutet keineswegs,dass du moralisch oder psychisch vollkommen bist. Ganz und gar nicht.“

Richard Rohr: Pure Präsenz – Sehen lernen wie die Mystiker; Claudius Verlag München 2010/2012, S. 122

Insbesondere zwischen Menschen, die sich nahe sind, kann ein solcher Graben ein – manchmal gewaltiges – Problem darstellen. Schließlich ist für den Gläubigen sein Glaube mehr als nur eine Zutat zum Leben, die man auch weglassen könnte. Seine Gottanbindung ist seine existenziell erlebte Rückbindung (Religio), und der „rote Faden“ seines Lebens.

„Sie [Spiritualität, d.V.] bindet an und befähigt zur Verbindlichkeit, im Unterschied zur Beliebigkeit. Spiritualität ist also mehr als Bewusstseinserweiterung. Was aber macht dieses ›Mehr‹ aus? Spiritualität ist Erfahrung und hat mit dem zu tun, was die Sprachen der monotheistischen Religionen als Gott bezeichnen: Gott ist hier nicht der Name für ein überirdisches, fernes Wesen, sondern für das absolut unfassbare Ganze mit der ihm innewohnenden Dynamik. (…) Mystik fasziniert und lässt erschaudern. Sie verweist auf die Grenze des überhaupt Erfahrbaren, auf jenen heiligen Ort, wo Gott nicht mehr nur mittelbar, sondern unmittelbar (…) erfahren wird. Ohne Anschluss an diese innere Erfahrung besteht in der menschlichen Seele eine existenzielle Not.“[2]

Monika Renz: Der Mystiker aus Nazaret; Kreuz Verlag, Freiburg im Breisgau 2013/2014, S. 37 f.

Unterschiedlicher Meinung (oder unterschiedlichen Glaubens) zu sein ist dabei nicht das Problem. Jedenfalls sollte es das nicht sein. Die Schwierigkeit besteht vielmehr in nicht erfüllten Erwartungen – und manchmal auch in Eifersucht (auf Gott oder den Glauben). Und sie wird sich irgendwann Bahn brechen.

„Alles, was du sagst, kann und wird gegen dich verwendet werden.“

Erfahrung der Männer aus Diskussionen mit Frauen

Was also kann getan werden, um diesen Graben zu überbrücken oder ihn gar nicht erst aufbrechen zu lassen? Sollte man besser schweigen, die „Perlen“ seiner Innerlichkeit, das, was einem heilig ist, nicht zeigen und teilen, um nicht am Ende „zerrissen“ zu werden?

„Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.“

Mt 7,6

Es bedarf keiner weiteren Erklärung, dass Jesu Ratschlag in diesem Zitat selbstverständlich nicht bedeutet, seinen Glauben, seine Religiösität und Spiritualität zu verleugnen, oder sich nicht zu bekennen, wenn es darauf ankommt. Und es ist schwer vorstellbar, dass er, der Geradeaus-Mensch, ein Taktieren, eine vermeintliche Weisheit, im Sinn gehabt hat.

Jesu ganzes Leben und Wirken scheint im Widerspruch zu dieser seiner eigenen Aussage zu stehen. War es vielleicht Fürsorge um seine Anhänger, die er sich selbst nicht zugestand? Oder eine momentane Hilflosigkeit im Zorn angesichts einer aussichtslosen Diskussion? [3] Daran darf man wohl zu Recht zweifeln.

„Geduld, wenn mich falsche Zungen stechen.“

J.S. Bach, Matthäus-Passion

Noch problematischer wird es, wenn man selbst meint, man müsse doch aufgrund seiner Gottanbindung automatisch ein besserer Mensch sein. Denn dann versteht man sich selbst nicht richtig, kann sich schon von daher nicht selbst wirklich verzeihen – und damit auch nicht anderen. Man „sticht sich selbst mit falschen Zungen“, belügt sich selbst, – und damit auch andere.

Mensch sein: Das bedeutet immer auch Geduld zu haben, sich immer wieder auf’s Neue um Geduld zu bemühen; um Geduld mit anderen, und mit sich selbst. Geduld und Gnade gehören in gewisser Weise zusammen. Gnade ist ein geschenkhaftes Zuwenden, um das wir bitten, auf das wir hoffen dürfen. Geduldig. Duldend. Vielleicht auch erduldend.

_________________
[1] Der Unterschied zwischen Heuchelei – die Jesus selbst oft genug beschimpft – und menschlicher Schwäche oder menschlichem Scheitern liegt eben darin, dass die Heuchelei methodisch zur Vorteils- oder Ansehenserlangung erfolgt.

[2] Diese existenzielle Not wird indes oft erst bewusst, wenn die Erfahrung gemacht wurde. Die „Leerstelle“ (Begriff: Renz, a.a.O.) im Menschen arbeitet bis dahin meist verborgen, im Untergrund des Unbewussten.

[3] Im Kapitel 7 des Matthäus-Evangeliums scheint Jesus ja desöfteren ziemlich wütend zu sein.

 

 

Beim Beten sollt ihr nicht plappern wie die Menschen, die Gott nicht kennen.
Sie denken, dass sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen.
Macht es nicht wie sie!
Denn euer Vater weiß ja, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn bittet.

Mt 6,7-8

 


 

Der Mensch soll sich nicht genügen lassen an einem gedachten Gott;
denn, wenn der Gedanke vergeht, vergeht auch der Gott.
Man soll vielmehr einen wesenhaften Gott haben,
der weit erhaben ist über die Gedanken der Menschen und aller Kreaturen.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

 

 

 

 

„Das Nichtvorhandensein einer Advaita-Erfahrung (Sanskrit: advaita = Nicht-Dualität) – obwohl sie der Schlüssel für eine philosophische Anschauung der Trinität ist – hat dazu geführt, dass das Christentum sich von einem panischen Schrecken vor dem so genannten Pantheismus erfassen ließ. Wer den Monismus meiden will, gerät in die Gefahr des Dualismus: Gott und die Welt trennen sich radikal, wodurch der transzendente Gott immer überflüssiger wird, da er sich in einen Himmel zurückgezogen hat, der nicht mehr der astronomische ist, sondern ein Konzept. Der Schöpfer ruhte nicht nur am siebenten Tag, sondern zog sich, wie es den Anschein hat, in sein Reich zurück und ließ von der Schöpfung ab, da er ja einen evolutionistischen Superautomatismus angeregt hatte.

Der Mensch ist Gemeinschaftswesen; aber die menschliche Gemeinschaft ist auch kosmisch. Der Mensch ist integrierter und sogar konstituierender Bestandteil des Kosmos. Die Natur ist einer der Orte, wo der normale Mensch mit dem göttlichen Mysterium tiefer in Berührung kommen kann. Unser Kontakt mit der Natur ist nicht vorrangig begrifflich, sondern lebensnah, was die Anteilnahme unseres Intellekts an der Erfahrung der Natur nicht ausschließt.

Die Welt ist der Leib Gottes, nicht in cartesianischer Trennung, sondern in positiver Symbiose, wo die Differenzen nicht beseitigt werden, aber die Trennung überwunden wird.

Die „Schöpfung“ ist nicht vom „Schöpfer“ getrennt. Wenn der Schöpfer für einen Augenblick von der Schöpfung abließe, würde die Schöpfung ins Nichts zurücksinken, wo sie hergekommen ist. Im Rahmen der Kausalität kann der Intellekt sich bis auf Gott zurückführen, aber der Mensch ist nicht reiner Intellekt, und seine Verbindung mit Gott ist unmittelbar und bedarf nicht der Vermittlung des Verstandes – obgleich dieser den rationalen Weg bahnen kann.“

Raimon Panikkar

Quelle: Visionen, „Die Einheit von Gott, Mensch und Welt“

 
Wann gelingt es uns, damit aufzuhören, Gott nach unserem Bilde zu erschaffen, und zuzulassen, dass Gott uns nach seinem Bilde erschafft (Gen 1,27)?

Wann gelingt es uns, Gott nicht länger als ein Ding, als ein Etwas anzusehen, und damit zu beginnen, Gott als das in der „Schöpfung“ prozesshafte, von einer gesonderten Eigenexistenz leere Sein, Gott wesentlich als Beziehung, zu erkennen, deren Wirkkraft und Verdichtung menschliche Begriffe Liebe nennen?
 
 

„Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.“
Römer 11,36

 

 

 

„Science and Spirituality:

They are two different
windows to look at reality.

They complement rather
than oppose each other.“

Trịnh Xuân Thuận

 

Buchempfehlung: „Quantum und Lotus“ von Trịnh Xuân Thuận und Matthieu Ricard, Goldmann, München 2001/2008

Integral„Jahrhundertelang haben die kontemplativen Traditionen innerhalb der großen Weltreligionen die Landschaft der inneren Erfahrung untersucht. Sie haben präzise und reproduzierbare Methoden praktiziert, um den Geist positiv zu verändern und zu trainieren. Gleichzeitig hat die westliche Wissenschaft unser Verstehen der materiellen Welt exponentiell erweitert. Heute arbeiten immer mehr Wissenschaftler und Kontemplationsübende zusammen, um ein vollständigeres Bild der menschlichen Erfahrung zu erkennen.“

Quelle: http://www.arbor-seminare.de/die-neue-wissenschaft-des-geistes

 

„Wie finden Sie das? Ist das verrückt? Sind die Mystiker und Weisen Verrückte? Weil sie immer nur Varianten derselben Geschichte erzählen, nicht wahr? Der Geschichte, daß man eines Morgens aufwacht und entdeckt, daß man eins ist mit dem Allganzen, und zwar in einer zeitlosen, ewigen und unendlichen Weise?

Ja, vielleicht sind sie verrückt, diese göttlichen Narren. Vielleicht sind sie raunende Idioten im Angesicht des Abgrunds. Vielleicht brauchen sie einen netten, verständnisvollen Therapeuten. Ja, das würde ihnen bestimmt guttun.

Aber dann, frage ich mich. Vielleicht verläuft die Evolution ja wirklich von der Materie über den Körper, den Geist und die Seele zum GEIST auf jeweils einander transzendierenden und einschließenden Stufen, die jeweils mehr Tiefe, ein größeres Bewußtsein und eine größere Umfassendheit mit sich bringen. Und vielleicht, es könnte doch sein, rührt in den höchsten Regionen der Evolution das Bewußtsein eines Menschen tatsächlich an das Unendliche, in einem vollkommenen Umschließen des ganzen Kósmos, in einem kosmischen Bewußtsein, das das Erwachen des GEISTES zu seiner eigenen wahren Natur ist.

Dies ist zumindest plausibel. Und sagen Sie mir: Ist dieses Lied, das Mystiker und Weise in der ganzen Welt singen, verrückter als das Lied des wissenschaftlichen Materialismus, demzufolge der ganze Weltengang frei nach Shakespeares Hamlet eine Geschichte ist, »die ein Wahnsinniger erzählt, voller Schall und Rauch, die nicht das geringste bedeutet«? Hören Sie doch einmal genau hin: Welches dieser beiden Lieder klingt denn nun wirklich total verrückt?

Ich will Ihnen sagen, was ich glaube. Für mich sind die Weisen die wachsende Spitze des geheimen Impulses der Evolution. Für mich sind sie die Speerspitze des Drangs zur Selbsttranszendenz, die immer über dasjenige hinausgeht, was vorher war. Ich glaube, daß sie nichts anderes als den Drang des Kósmos zu mehr Tiefe und einer Erweiterung des Bewußtseins verkörpern. Ich glaube, daß sie auf einem Lichtsstrahl sitzen, der der Begegnung mit Gott entgegeneilt.

Ich glaube, daß sie auf dieselbe Tiefe in Ihnen, in mir und in uns allen verweisen. Ich glaube, daß sie in Verbindung mit dem Weltall stehen, daß der Kósmos durch ihre Stimme singt, der GEIST aus ihren Augen leuchtet. Ich glaube, daß sie uns das Antlitz des Morgen enthüllen, daß sie uns die Augen für das Innerste unseres eigenen Schicksals öffnen, das sich schon jetzt in der Zeitlosigkeit des gegenwärtigen Augenblicks vollzieht, und in dieser aufregenden Erkenntnis wird die Stimme des Weisen zu deiner Stimme, das Auge des Weisen zu deinem Auge; du redest mit Engelszungen und bist vom Feuer der Erkenntnis entzündet, die niemals anfängt und niemals aufhört. Du erkennst dein eigenes wahres Antlitz im Spiegel des Kósmos selbst: Deine Identität ist wahrhaftig das Weltall, und du bist nicht mehr Teil dieses Stroms, du bist dieser Strom in einem Weltall, das sich nicht um dich, sondern in dir entfaltet. Die Sterne leuchten nicht mehr irgendwo dort draußen, sondern hier im Inneren. Supernovae flammen in deinem Herzen auf, und die Sonne scheint in deinem Gewahrsein. Weil du alles transzendierst, schließt du alles in dir ein. Es gibt hier kein endgültiges Ganzes mehr, nur einen endlosen Prozeß, und du bist die Öffnung, die Lichtung oder die reine Leerheit, in der sich der ganze Prozeß entfaltet – endlos, wunderbar, unaufhörlich, leicht.

Das ganze Spiel ist ausgelöscht, dieser Alptraum der Evolution, und du bist genau da, wo du vor Beginn dieser ganzen Show warst. Im Schock der plötzlichen Erkenntnis des ganz Offensichtlichen siehst du dein eigenes ursprüngliches Antlitz, das Antlitz, das du vor dem Urknall hattest, das Antlitz der äußersten Leerheit, die als die ganze Schöpfung lächelt und als der ganze Kósmos singt – und all dies ist in diesem Urerkennen ausgelöscht, und es bleibt nichts zurück als das Lächeln und die Spiegelung des Mondes auf einem stillen Teich, tief in einer kristallklaren Nacht.“

Ken Wilber, Eine kurze Geschichte des Kosmos, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1997/2011, S. 68 f.

***

Bei aller Kritik, die man vielleicht in einzelnen Punkten an Ken Wilbers Denken und Werk vorbringen mag, scheint mir seine Integrale Theorie die plausibelste und brauchbarste philosophische „Theorie von Allem“ der heutigen Zeit zu sein. Jedem, der „an allem“ interessiert ist, an Naturwissenschaft wie an Geisteswissenschaft, an Kunst, Philosophie, Religion und Philosophie, an der Entwicklung und Evolution seiner eigenen Person, seines eigenen Lebens, der Welt und seiner Bewohner, und schließlich an der Suche nach dem Einigenden all dessen, empfehle ich ohne Einschränkung, sein wichtigstes Werk »Eros, Kósmos, Logos« zu lesen, und alternativ – oder am besten zusätzlich – die leicht verständliche Zusammenfassung »Eine kurze Geschichte des Kosmos«.

„Geist in der zweiten Person ist das große Du …, der leuchtende, lebendige, ewig gebende Gott, dem ich mich in Liebe, Andacht, Opfer und Erlösung hingeben muss. Im Angesicht von GEIST in der zweiten Person, im Angesicht Gottes, der reine Liebe ist, kann ich nur eines tun: Um Gott in diesem Augenblick zu finden, muss ich lieben, bis es schmerzt; lieben bis in alle Ewigkeit; lieben, bis es mich nirgendwo mehr gibt; nur dieses leuchtende, lebendige Du, das allem Glanz verleiht, das Quelle alles Guten ist, allen Wissens, aller Gnade, und mir meine eigene Manifestation, die anderen unweigerlich Leid zufügt, zutiefst verzeiht; die dieser liebende Gott der Du-heit dieses Augenblicks jedoch erlösen kann und auch erlöst, verzeiht, heilt und ganz macht; aber nur, wenn ich mich im innersten Kern meines Wesens hingeben kann, durch Liebe, Anbetung, Anteilnahme und Bewusstheit mein kleines Ich aufgeben kann.“

Ken Wilber, Integrale Spiritualität, Kösel Verlag, München 2007, S.219; zitiert nach Richard Rohr, Pure Präsenz, Claudius Verlag, München 2012, S. 184

„Wenn Sie nun vom Selbst sprechen, ist damit das gemeint, was mit dem ,Grund‘ verbunden ist?“

„Überlegen Sie sich mal, was Sie da zum Ausdruck bringen! Welche Art von Antwort erwarten Sie auf diese Frage? Die Antwort, die ich Ihnen geben könnte, wäre ja nur eine, die praktisch in der Sprache ausgedrückt wäre, die gar nicht dazu fähig ist, das zu tun. Das wäre das Gleiche, wie wenn Sie mich zum Beispiel als Farbenblinden fragen, wie sehen Sie das Rot? Da sehen Sie die Unmöglichkeit der Frage. Sie macht in diesem Kontext überhaupt keinen Sinn. Weil nämlich in diesem Fall die Voraussetzung der Farbe gar nicht gegeben ist. Das heißt, ich versuche eine Auskunft in einer Sprache, die dem nicht angemessen ist, was gefragt ist. Wenn die Wirklichkeit etwas ist, das keine spezielle Form hat, sondern die Form selbst ist, wie soll ich dann antworten ,es ist‘? Man muss die Sache einfach umdrehen, muss sie schlicht und einfach umdrehen, und dann wird es ja ganz einfach. Man muss umgekehrt fragen: Wie kann es sein, dass das, was überhaupt keinen Namen hat, sich uns erfahrbar macht, so als ob es verschiedene Namen trüge? Dass es in einer Form auftritt – auch ich als Individuum für eine gewisse Zeit lang -, so dass ich sagen kann: ich lebe.“

„Ich wiederhole noch einmal die Frage, wie Sie sie für sinnvoll halten: Wie kann es sein, dass das, was keinen Namen hat, sich uns in einer Art und Weise zeigt, dass wir doch darüber reden?“

„Genau das ist es.“

„Wie es sein kann? Aber ich kann doch nicht stellvertretend von dem ausgehen, das keinen Namen hat, und fragen, wie es dies oder jenes macht. Ich kann nur sagen: ich habe Erlebnisse, die sich mir so darstellen, dass ich gleichzeitig dabei erlebe, du hast dafür gar keinen Namen, du hast aber dennoch das Erlebnis. So ist das Erlebnis zunächst.“

„Nur so ist es. Aber das heißt, Sie werden nie hinter das kommen, was keinen Namen hat. Sie können nur in gewisser Weise beschreiben, wie es in bestimmten Situationen dazu kommen kann, dass man Formen davon wahrnehmen kann, die sich dann in der in einem bestimmten System gängigen Sprache ausdrücken lassen.“

 
Hans-Peter Dürr, Marianne Oesterreicher: Wir erleben mehr als wir begreifen – Quantenphysik und Lebensfragen, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2007/2013, S. 104f.

Gott, wer darf in dein Heiligtum kommen, wer im Höchsten verweilen?
Wer untadelig lebt und tut, was recht ist, und Wahrheit redet von Herzen.
Wer niemanden verleumdet, keinem ein Unrecht zufügt und nicht schlecht von anderen spricht.
Wer verwirft, was Gott verworfen hat, aber ehrt, was Gnade vor ihm findet;
wer sein Wort hält, auch wenn es ihm schadet.
Wer keine Zinsen für verliehenes Geld fordert und sich nicht bestechen lässt, gegen Unschuldige auszusagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

Tanach / Altes Testament, Psalm 15

Rechte Einsicht,
rechte Gesinnung,
rechte Rede,
rechtes Handeln,
rechter Lebenserwerb,
rechtes Streben,
rechte Achtsamkeit,
rechte Sammlung.

Edler Achtfacher Pfad des Buddhismus

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