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„Warum rede ich überhaupt noch mit euch?
Ich hätte noch viel über euch zu sagen und viel zu richten.“

Joh 8,25-26

Jesus von Nazareth konnte ganz schön genervt sein, ruppig, manchmal arrogant, jähzornig und einmal sogar gewalttätig (Tempelreinigung). So manche Bibelstelle lässt sich dazu ausmachen. Wie lässt sich das mit seiner Lehre von Liebe, Friedfertigkeit, Güte und Barmherzigkeit vereinbaren? In der Bergpredigt lehrt er, dass Verfehlungen nicht erst in den Taten liegen, sondern bereits mit Gedanken und Worten beginnen. Warum scheint er sich zumindest gelegentlich nicht selbst daran zu halten?

Was würde eine einfache Antwort bedeuten?

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*

Es ist wieder Ostern, und das Osterlamm, das Lamm Gottes [lat. Agnus Dei], rückt für eine Weile in den Bewusstseinsfokus unserer christlich geprägten Gesellschaft.

„An den Nordseedeichen sind große und kleine Schafe wieder unermüdlich grasend unterwegs. Herzerweichend besonders im Frühjahr, wenn die niedlichen Osterlämmchen ihren Müttern nicht von den Hufen weichen.“   (Nordfriesische Lammtage 2015)

Ostern. Eine besondere Zeit für Christen, Gourmets und Tierschützer.

 

*

„Hast du ein verlangendes Herz,
oder ein narkotisiertes?“

Papst Franziskus

*

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Sie halten das, was Sie in diesem Video sehen, für einen verwerflichen Einzelfall? Schauen Sie doch mal hier, oder hier.

Gestern hatte ich Einsicht in eine Schlachthausgenehmigung. Für ein nicht mal sonderlich großes Schlachthaus. Provinziell eher. Bis zu 3000 Rinder und 2000 Schafe. Pro Woche. Was denken Sie, wie „human“ so etwas abgehen kann? Waren Sie mal in einem Schlachthaus? Und da ist es auch – mit Verlaub – scheißegal, ob es sich um „Bio“-Fleisch handelt oder nicht. Bio heißt Leben (griech.), nicht Tod.

Aber es geht ja nicht mal „nur“ um das Schlachten. Man muss bei dem heutigen medialen Informationsangebot schon ein ziemlich „narkotisiertes Herz“ – oder einen wahrhaft extremen Tunnelblick – haben, wenn man das Geschehen in der „Nutztierhaltung“ nicht bemerkt, oder den betroffenen Wesen das Mitgefühl verweigert.

Sobald Sie dem „lieben Gott“ die Türe zu Ihrem Herzen mal ganz öffnen, und nicht bloß durch einen kleinen Spalt etwas von seinem Licht zu sich hereinlassen, wird er sich Ihres Innenraumes bemächtigen und Sie entmachten. Seine Liebe wird Ihre Wohlfühlperspektiven gnadenlos zerfetzen. So leicht werden Sie keine Ruhe mehr finden. Gottes Liebe ist kein Kuschelkissen, auf dem man sich ausruhen kann. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie erst dann so richtig etwas von Ostern verstehen werden, von Passion, Sterben und Auferstehung des immer-noch-mensch-werdenden, liebenden Gottes.

„Herzerweichend besonders im Frühjahr, wenn die niedlichen Osterlämmchen ihren Müttern nicht von den Hufen weichen.“ „Für Gourmets ein Hochgenuss“, geht es auf derselben Internetseite weiter (s.o.). Herzerweichend. So vom Herzen des Menschen zu sprechen, ist ein Symptom der morbid-pathologischen Wohlfühlperspektive unserer christlich-abendländischen Kultur. Herzerweichend. Auch dafür stehen Gründonnerstag und Karfreitag: Wir töten und essen, was wir lieben. Die Kreuzigung spiegelt unser Bewusstsein wider. Doch wir verklären das, statt es zu verstehen. Ostern: Das ist die Auferstehung eines neuen Bewusstseins. Eines Bewusstseins des Lebens. Kann uns das gelingen?

Mit der Kreuzigung endet Gottes Diplomatie.

 

*

Der neue Bund, den ich mit euch schließen will,
wird völlig anders sein,
als der alte Bund, an dem ihr hängt und festhaltet,
den ihr gebrochen habt und brechen werdet:

Ich werde euch mein Gesetz nicht auf Steintafeln,
sondern in euer Herz einschreiben.

Ich werde euer sein
und ihr werdet mein sein.

Niemand muss dann noch seine Freunde und Feinde belehren
oder einfordern, mich auf seine Weise kennenzulernen.
Es unterscheidet euch in mir nicht,
welchen Glaubens oder Nicht-Glaubens ihr seid,
welcher Religion ihr anhängt,
oder wie ihr mich nennt.

Denn alle in diesem Bund werden dann wissen,

wer ich bin,

von den Geringsten bis zu den Vornehmsten,
von den Dümmsten bis zu den Schlauesten,
von den Kleinsten bis zu den Größten,
von den Ärmsten bis zu Reichsten,
von den Schwächsten bis zu den Stärksten,
und von den Mächtigsten bis zu den Ohnmächtigsten.

Das sage ich,
der sie führen wird
in Freiheit.

Ich will ihre Sonderung von mir nehmen
und sie aufnehmen
in die eine Liebe.

*

(nach) Jeremia 31,32-34

Eine Skizze

 

Vielleicht kann man sich an den Gedanken gewöhnen, dass im 21. Jahrhundert es für alle Religionen an der Zeit sein könnte, vorrational-magisches Bewusstsein in rationales und transrationales Bewusstsein zu überführen.

Vielleicht kann man sich an den Gedanken gewöhnen, dass sich auch das Christentum und Christ-Sein von aller Magie befreien ließe. Dass Jesus von Nazareth nur ein Mensch war, seine Gottessohnschaft keine physische Personalisierung Gottes und keine Vergottung der physischen Person Jesu bedeutet.

Vielleicht kann man sich an den Gedanken gewöhnen, dass den dunkelhäutigen Mann aus Nazareth mit den kurzen schwarzen Haaren diese Gotteskindschaft nicht separiert. Dass dieser Mann namens Jeschua nach seinem Tod nicht leiblich auferstand und es keine physische Himmelfahrt gab.

Vielleicht könnte man sich daran gewöhnen, dass dieser junge Wanderprediger aus Nazareth eine Lehre (Botschaft) hatte, gelehrt in Worten und Lebensführung. Eine Lehre, die aus religiösen, spirituellen, psychologischen, sozialen und ethischen Elementen besteht. Eine Lehre, die selbstverständlich auch der Kultur ihrer Zeit unterlag, und der Fortentwicklung unterliegen darf (und sollte). Eine Lehre, die uns auch nötigt, selbständig nachzudenken und Verantwortung zu übernehmen.

Vielleicht könnte man sich daran gewöhnen, dass dieser Jeschua eben nicht Anbetung seiner Person einforderte, sondern einlud, ihm zu folgen, zu werden wie er: Ein Sohn (oder eine Tochter) Gottes, ein Gesalbter – ein Christ(us), ein Erlöser für sich und andere. Dass er uns eine persönliche und liebende Gottesbeziehung beibringen wollte, die keine Vermittler (Priester) benötigt, und uns nicht (oder nicht nur) auf ein „Jenseits“ ausrichtet, sondern ein Leben im Hier und Jetzt und in Fülle schenken soll.

 

Vielleicht ließe sich denken,
dass Jesus von Nazareth nicht der Kern des Christentums ist,
sondern der Ausgangspunkt.

 

Und dass nach ihm andere wahre Söhne und Töchter Gottes kamen und kommen werden – auch in anderen Religionen und außerhalb der Religionen.

 

Der Kern des Christentums ist nicht Jesus,
sondern Christus.

 

Und (ein) Christus ist (potentiell) jeder Christ. Ein Kind Gottes. Sohn oder Tochter Gottes. Eins mit dem „Vater“.

Jesus Christus. Paulus Christus. Giovanni Battista Bernardone Christus. Theresa Christus. Ali Christus. Otto Christus. Britta Christus.
 

 

Als seinerzeit bei mir die Mystik ausbrach, bin ich nicht zum Arzt gegangen, sondern aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Zu Vieles, was diese Kirche proklamierte, schien mir nicht mit den Erfahrungen übereinzustimmen, die mich da heimsuchten.

Heute sehe ich das etwas anders. Seit einer Weile kehre ich zu meinen religiösen Wurzeln, zum Christentum zurück. Nicht, dass ich nun den Katechismus unter mein Kopfkissen geschoben hätte. Eine verdächtige Freiheit hat sich im Laufe der Jahre breitgemacht, in der auf seltsame Weise so vieles zusammenpasst, in der Altbekanntes auf gleichsam seltsame Art neu gelesen und verstanden werden kann.

Ein Widerspruch zu anderen Religionen hat sich nicht, jedenfalls nicht im Wesentlichen, aufgetan. Ich schrieb hier stets im Geiste von Transkonfessionalität, und schließlich zog es mich sogar in die Postkonfessionalität. Doch irgendwann kam ich mir dabei ein wenig vor wie ein Baum, der seine Wurzeln aus der Erde gezogen hat, um mit ihnen das Laufen zu wagen. Das entspricht vielleicht nicht ganz der Natur eines Baumes, sonst sähe man wohl öfters mal Bäume beim Joggen. Mögen andere laufen und fliegen, jene, die keine Bäume sind, sondern Bären und Mäuschen, Schmetterlinge und Spatzen. Momentan jedenfalls lasse ich meine Wurzeln wieder ihren Weg in die Erde suchen, die meine Äste nährt, und das Wasser aufsaugen, das meinen Blättern Lebendigkeit schenkt. Als so ruhender Baum kann ich zusammen mit anderen Bäumen, wie Bodhi-Bäumen und Ölbäumen, in Gottes schöner Landschaft herumstehen. (Übrigens suchen auch Bären und Mäuschen manchmal den Schatten der Bäume oder grobe Stammrinde zum Rückenscheuern, und Schmetterlinge und Spatzen einen sicheren Platz für eine Flugpause.)

Die Unterschiede der Religionen sind wichtig. Aber längst sind sie für mich nicht mehr trennend (bei aller erlaubter Kritik an einzelnen Punkten in jeder Religion). Neben dem Effekt möglicher gegenseitiger Befruchtung bietet die Vielfalt einfach jedem nach seiner Art etwas an. So, wie jede Wolke anders geformt ist (und jeder eine andere Wolke besonders schön findet), und doch nur eine Wolke ist, die an demselben klaren Himmelsblau vorbeizieht. Und das Christentum ist nun mal die mir gemäße kosmische Wattierung – mit seiner Leidenschaftlichkeit in der Liebe und Freude und Annahme auch des (eigenen) Leids, seiner Geborgenheit in Gott und seinem Sich-Aussetzen im Sich-Einsetzen, mit seinem Aufruf zur Friedfertigkeit und mit seinem „heiligen Zorn“.

In die Kirche bin ich nicht wieder eingetreten. Ich respektiere die vorherrschende Art ihrer Theologie(en), ihres Glaubens und ihrer Glaubensverkündigung; auch, wenn sie für mich selbst nur eine Facette desselben Kristalles ist. (Erfreut stelle ich aber immer wieder auch fest, dass meine Sicht natürlich nicht einzigartig ist, sondern freiheitlich-mystische Auslegungen auch innerhalb der Kirche(n) zunehmen. Mögen sich die unterschiedlichen Perspektiven und Glaubensarten gegenseitig respektieren und wertschätzen.)

Bis hierhin handelt es sich eigentlich nur um eine Einleitung, um zu verdeutlichen, von welchem zeitweiligen Standpunkt ich das folgende aussage: Was Christentum für mich ist und bedeutet.

Schon einmal schrieb ich, wie traditionelle (dualistische) Theologie Bibliotheken beispielsweise zu Fragen der Trinität oder der Theodizee füllt, während der (nicht-dualistische) Mystiker nicht mal das Problem dabei so richtig erkennt. Wer auf der Ebene der Rationalität das Mysterium, das “Geheimnis des Glaubens“ zu ergründen sucht, erklärt entweder alles weg oder hin, bis nichts mehr oder viel zu viel bleibt, oder aber er gleitet ab auf eine prärationale Ebene der Magie. Grob gesagt. Überspitzt gesagt. Es gibt auch viel dazwischen. Und nochmals: All dies erkenne ich respektvoll an, soweit es keinen Schaden anrichtet. Es ist nicht weniger wahr, nur anders wahr. Ich selbst habe fast mein ganzes Erwachsenenleben (bin jetzt 48 Jahre alt) leidenschaftlich theologische Bücher gelesen. Doch seit einigen Jahren verstehe ich sie nicht mehr wirklich, was zwei Gründe haben kann: Entweder ich bin verblödet, oder die Perspektive ist mir zu fremd geworden. Die Entweder-Leser werden hier spätestens das Lesen zustimmend beenden, die Oder-Leser langweilen sich an dieser Stelle bereits. Ich vertraue auf die Sowohl-als-auch-Leser, die intuitiv wissen, dass Verblödung auch ein hässliches Wort für eine hilfreiche Sache sein kann (wobei ich auch eine tatsächliche Verblödung meiner Person nicht ausschließe).

Was Christentum für mich bedeutet, kann keine Bibliotheken füllen. Dessen Kern ist und bleibt wortlos, eine unendlich kleine Singularität mit Urknallpotential. Der Versuch einer Verwortung ist kurz und knapp, verständlich vielleicht nur jenen, die die Perspektive der Mystik gewonnen haben, was selbstverständlich keine Zustimmung abverlangt; man mag mir nach Lust und Laune widersprechen.

Also:

So wie vielleicht Siddhartha Gautama – genannt der Buddha – im Osten, war möglicherweise Jesus – genannt der Christus – der erste „Erleuchtete“ im Westen (der „Erstgeborene“). Diese Formulierung wurde übrigens m.W. erstmalig von Richard Rohr verwendet. Jesus: Ein Mann, der erkannte, dass er eins ist mit Gott: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Und so wie Buddha seine Erfahrung in die Form seines kulturellen und religiösen Kontextes goss, tat dies der junge Mann aus Nazareth ebenso. Und selbst wenn sie nicht die ersten waren (Stellen im AT könnten darauf hinweisen), so waren sie doch wohl die ersten, die dieses neue Bewusstsein ganz lebten und auf bedeutsame Weise so lehrten, dass ungezählte nachfolgenden Generationen sich angesprochen fühlten. Die historischen Personen Siddhartha Gautama und Jesus sind höchst bedeutsam, sie sind Ausgangspunkt, Vorbild, Lehrer, und in gewisser Weise „der Weg“, doch im eigentlichen Zentrum des Buddhismus und des Christentums stehen sie (für mich) nicht. So wie im Zentrum des Buddhismus Buddha steht, steht im Zentrum des Christentums Christus. (Mir ist klar, dass das für viele traditionelle Christen eine höchst ketzerische Aussage ist. Man mag dann nochmal die Einleitung lesen oder sich mit den Entweder-Lesern solidarisch erklären.)

Die Erfahrung „Ich und der Vater sind eins“ haben nach Jesus auch viele christliche Mystikerinnen und Mystiker gemacht. Gott ist Mensch geworden. Nicht nur in Jesus (Paulus hat das vielleicht als erster verstanden). Christus ist kein Name und kein Titel, sondern eine Erkenntnis, eine Erfahrung, ein Bewusstsein, ein Raum, ein Kollektiv, eine Lebensform… Und es bedarf dazu keiner idealisierenden personalen Überhöhungen, die zu einer großen Gefahr werden können. Der junge Mann aus Nazareth hat in seinen ersten 30 Lebensjahren vielleicht ebenso Mist gebaut wie Franz von Assisi in seinen jungen Jahren und wir alle. Wir wissen es nicht (die Historie der kanonischen und apokryphen Schriften wird den meisten Leserinnen und Lesern bekannt sein). Na und? Die lebenslange „absolute Freiheit von der Sünde“ ist ein illusionärer Sockel, auf den wir einen Menschen stellen, um selbst in unserer Schwachheit nicht ganz so klein zu erscheinen. Was verlieren wir denn, wenn wir diesem Kind und späteren jungen Erwachsenen Jesus ganz Menschlichkeit zugestehen? Zu sagen, dass mit Christus Gott ganz Mensch geworden ist, aber nur in Jesus ein Mensch ganz Gott geworden sei, scheint mir – jedenfalls aus mystischer Perspektive – Gott doch arg zu verkürzen. So kleinlich wird Gott nicht sein.

Leben und Lehre des Mannes aus Nazareth machen natürlich das spezifisch Christliche aus: Das Bewusstsein der Einheit mit Gott und die Umsetzung dessen im eigenen Leben und in diesem speziellen kulturell-religiösen Umfeld, das auch unser eigenes kulturell-religiöses Umfeld geprägt und geformt hat. Dazu gehört insbesondere die Lehre von der Liebe (was im Osten seine Entsprechung in der Lehre vom Mitgefühl findet), die auch zu Hilfsbereitschaft (Barmherzigkeit) und Friedfertigkeit führt (vgl. insbes. Bergpredigt, Mt 5-7). Aber auch die Lehre von der Vergebung statt Strafe, Hass und Rache (vgl. Joh 8,1-11), einer Leidenschaftlichkeit und einem Aufbegehren, wie z.B. im „heiligen Zorn“ (vgl. Mt 21,12ff.), die Lehre von einer Gerechtigkeit, die oft wenig mit Messen und Wägen zu tun hat (vgl. Mt 20,1ff.), die Lebensspannung zwischen Ruhe und Unruhe (vgl. EvTh 50, 86, 90), der „aufrechte Gang“ (bis zum Tod), und vieles andere. Nicht zuletzt aber auch: Gott dennoch, also auch im Bewusstein des Eins-Seins mit Gott, als ein „Du“ ansprechen zu können.

Das war noch immer recht lang. Als eine Einkürzung ließe sich also sagen:

Christsein bedeutet für mich

• Zu erkennen, dass Gott in allem ist, und doch erst im Menschen geboren wird (Christus, „Vater und Sohn“; das Paradox wird sich vielleicht nicht in jedem Leser auflösen)
• Der Versuch, ein Leben in und aus diesem Bewusstsein zu führen („Heiliger Geist“)
• Der Lehre des Mannes aus Nazareth zu folgen (Liebe, Barmherzigkeit, Aufrichtigkeit, Friedfertigkeit, …), diese Lehre in die heutige Zeit zu übertragen und sie in die Weitung unserer Zeit zu weiten. (Wobei die Lehre auch als Regelwerk taugt, wenn das Bewusstsein wieder mal eingeschlafen ist, was mir öfters passiert).

„Christliche Lehre“ besteht also aus zwei Teilen, die einander ständig rückversichern:

1. Das (liebende) Verhältnis des Menschen zu Gott (Eins und doch Du“)
2. Das (liebende) Verhältnis des Menschen zum Leben (zum eigenen Leben, zu anderen Menschen, zu anderen Wesen, zur Schöpfung)

Die Rückversicherung beider Teile könnte man als ein drittes Verhältnis beschreiben. Muss man aber nicht, um es mit der Trinität, die hier von mir ja schon arg zerschnitten wird, nicht gleich zu übertreiben.

Klar wird aber: Christentum ist eine Beziehungsreligion. Eine – oder die – Religion der Liebe. Eine Liebe von Gott, zu Gott, aus Gott, in Gott. Und damit eine Liebe zum Leben.

Christsein heißt, an die Menschwerdung Gottes zu glauben (Christus) und die Menschwerdung Gottes versuchen zu leben (Leben und Lehre Jesu, in Christus eingehen – was eine Bewegung ist, ein Weg).

Nein, ich lösche das doch nicht, sondern streiche es. Ein gutes Beispiel des Verstrickens in wortreiche Plattheiten; für das, was nicht geht. Ich brauche nichts zu sagen. Mystische Menschen begreifen das Christsein, wie ich es meine, auch ohne viele Worte: Gott ist Mensch geworden, wird es immer wieder, in dir, in mir. Nun müssen nur noch auch wir Mensch werden.

In ihrem Bestreben nach Individualität unterscheiden sich die allermeisten Menschen nicht – sie sind sich darin gleich, und somit alles andere als individuell.

Was die Menschen meist unter Individualität verstehen, ist der Versuch einer äußeren Abgrenzung gegenüber der “Mehrheit der Anderen“; eine Abgrenzung, die so viele suchen (imitatio), doch die immer nur sehr beschränkt gelingt, resp. gelingen kann, und fast immer eine bestenfalls variierte Kopie anderer vermeintlicher Individualität ist. (Nicht selten liegt dabei übrigens das Individualitätsbestreben auch im Bereich des Sich-Verhaltens, insbesondere im meist groß geschriebenen Kapitel sogenannter „Selbstverwirklichung“, welche oft kaum mehr ist als ein Egotrip auf Kosten anderer.)

Eine „innere Individualität“ hingegen stellt sich dar als ein echtes Bewusstsein um die eigene Identität. Sie zeigt sich vor allem dort erkennbar, wo Menschen gelernt haben, für sich selbst, für ihr Denken und Handeln, für ihre Einsichten und Ansichten, für ihre Vergangenheit und ihre Zukunft, in selbst-reflektiver Weise umfänglich Verantwortung zu übernehmen. Denn darin unterscheiden sich solche Menschen tatsächlich von „der Masse“, die das – bei allem möglichen (doch vergeblichen) Protest einiger Leser an dieser Stelle – nicht nur nicht vollzieht, sondern zumeist sogar vermeidet. Und hier wird eben bei näherer Betrachtung so manche „graue Maus“ als ein wirklich individueller Mensch erkennbar, während manch ein „Paradiesvogel“ letztlich durchschaubar wird als ein verkleideter Mitläufer.

Was nun den sich affirmativ intellektuell betätigenden Mystiker betrifft, so wird dieser begreifen, dass es nicht seine Individualität ist, die seine Einzigartigkeit als Mensch ausmacht, sondern seine Identität, welche paradoxerweise gestiftet zu werden scheint in einem Moment der Auslöschung seiner Selbstheit.

Identität bedeutet relativ eben die Übereinstimmung getrennter Dinge, und gleichzeitig dasselbe.

Wer seine Identität entdeckt hat, strebt nicht länger nach Individualität.

„Wer einfach sagt, er sei niemand, ist ein Heuchler. Für die großen Heiligen und Mystiker mag das anders gewesen sein. Aber die meisten von uns sind eben keine Erleuchteten: Wir können dieser Illusion, jemand zu sein, nicht entkommen, auch nicht jener, ein autonom und frei handelndes Subjekt im klassischen Sinne zu sein. Diese Illusion gilt für uns ebenso, wie für uns die durch das Gehirn geformte Wahrnehmung eines bewaldeten Hügels wirklich ist. So leicht entkommen wir der Verantwortung nicht.“

Thomas Metzinger, Philosoph

Armer Heiliger, armer Mystiker, der niemals die Worte sagen, niemals die Worte hören kann:

„Ich liebe dich“,

weil er niemand ist, weil er kein Ich hat; weil er nicht dieses unverwechselbar einmalige Gegenüber eines anderen Menschen, dieses gewollte und nicht wegzudenkende Du eines Anderen sein kann, das liebend und geliebt ist…

(Worte eines gelegentlichen Provokateurs.)

„Anstatt nicht mehr
oder einfach wie bisher
von Gott zu reden,
käme heute
gerade für Philosophen und Theologen
alles darauf an
zu lernen,
behutsam neu von Gott zu reden!“

aus: Hans Küng, Der Anfang aller Dinge – Naturwissenschaft und Religion,
Piper Verlag München 2008, S. 122

Lange schon beschäftigt mich die Frage, wie man – besser: wie ich für mich – behutsam neu von Gott reden könnte. Zweifellos unterlag der „Gott der Religionen“ schon immer einer „Evolution“, und so ist es noch heute. Doch was ist mit dem „Gott der Mystik“?

Wenn ich mich dazu in der zeitgenössischen „spirituellen Szene“ so umschaue, dann gilt ähnliches, wie Küng schreibt: Entweder man redet nicht mehr, oder einfach wie bisher von (dem mystischen) Gott. Manchmal wird er auch brutal erschlagen, zerkaut wie Kaugummi, oder einfach mit allem Möglichen zu einem seltsamen Brei verrührt, was mir weder Evolution noch Revolution zu sein scheint, sondern kaum mehr als individualistisch-egozentrische Beliebigkeit.

Also was ist mit dem „Gott der Mystik“? Entzieht er sich „seiner Evolution“?

„Da erzählt eine alte islamische Legende, in den Tempel sei eines Tages ein einfacher Hirte gekommen und habe laut mit Gott geschimpft. »Du«, hat er gesagt, »hörst meine Gebete nicht, obwohl ich dir mein bestes Schaf geopfert habe. Bist du schwerhörig, Gott? Schläfst du grade, wo ich leide?« Diese Rede hört Mose und fuhr den Hirten bitter an, was ihm einfalle, mit dem Allmächtigen derart zu reden, und jagte ihn aus dem Tempel. Doch kaum geschehen, redete der Mund Gottes zu Moses und sprach: »Dieser Hirte hat zu mir gesprochen aus der Ehrlichkeit seines Herzens und so gut er es vermochte. Er ist mir nahe und lieb und wert. Mach dich auf, Mose, Erschaffer von sechshundert Gesetzen, und hole mir den Hirten wieder!«“

Zitiert nach: Eugen Drewermann, Zwischen Staub und Sternen, Patmos Verlag Düsseldorf 1991, S. 116

Das Bemerkenswerte an dieser Legende ist der fast beiläufige Hinweis auf die Herkunft der vielen (religiösen) Gesetzesregelungen. Diese eben stammen nach dieser islamischen (!) Legende nicht von Gott, sondern von dem Menschen Mose, dem Propheten (!), der bei all den vielen Gesetzen den Kern des Verhältnisses des Menschen zu Gott aus den Augen verloren hat und deswegen von Gott selbst gemaßregelt wird.

P.S.: Noch etwas ließe sich – nicht ohne Zusammenhang mit dem zuvor Gesagten – aus der Legende herauslesen: Auf die Opferung des Schafes hat Gott offenbar nicht reagiert; auf die direkte Ansprache des Hirten hingegen schon.

„Noch weiter führt die Frage, ob die Schizophrenie überhaupt als eine Krankheit im traditionellen Sinne zu verstehen ist. Nicht nur in antipsychiatrischen Kreisen ist in dieser Richtung überlegt worden. Auch Huhn hat gefordert, „… daß man sich von der hypothetischen Vorstellung lösen muß, daß eine ,Krankheit Schizophrenie‘ zu untersuchen sei.“ (vlg. Huth 1988, S. 203). Er fügt hinzu, daß es in den letzten Jahren mehr und mehr gelungen sei, „… die ,Krankheit Schizophrenie‘ als das persönliche und zwischenmenschliche Drama eines schizophren reagierenden Menschen zu begreifen.“ Wenn außerdem, wie Jaspers unter Bezugnahme auf Weizsäcker einräumt, „… Krankheit oft die Revision einer ganzen Lebensepoche bedeutet“ (zit. n. Jaspers 1959, S. 659), dann kommt die Schizophrenie als eine „infirmatis salubris [heilsame Krankheit]“ (vgl. Maschler 1994, S. 36) in Betracht.“

„Es ist zu vermuten, daß hier, im Augenblick der „Auslenkung“ des Selbst (vgl. Janzarik 1966, S. 89) und der Berührung mit jener „anderen“ Welt die Voraussetzung für spätere religiöse Identifikationen geschaffen wird. (…) Gleichwohl verbieten auch an dieser Stelle die nahen Analogien zu ähnlichen Erlebnissen im eksatisch-mystischen Bereich eine sichere pathologische Zuordnung. Entsprechend hat Janzarik darauf hingewiesen, daß „amentielle oder katatoniforme [sinngem.: Zustände erheblicher geistiger und körperlicher Desorganisation] Initialsyndrome“ sich nicht verläßlich einordnen lassen (vgl. Janzarik, ebd.). Der Beobachtungsquerschnitt zeigt größtenteils Phänomene, die nicht nur in der traditionellen Mystik, sondern gleichfalls in aktuellen religiösen Bewegungen von Bedeutung sind. (…)“

Kunz bezeichnet das „primäre Wahngeschehen“ als „Einbruch und Beginn“ einer radikal anderen, vom alltäglichen In-der-Welt-sein fundamental verschiedenen Daseinsweise. Lenz spricht davon, daß sich „inmitten des schizophrenen Seins“ das Numinose bloßlegt (vgl. Lenz 1981, S. 180).“

„Die Berichte zahlreicher Patienten umkreisen jenes überwältigende Erlebnis, daß „Gott in die Welt kommt.“ (Wetzel, zit. n. Jaspers 1959, S. 248).

„In oft engem Zusammenhang mit den geschilderten Lichterlebnissen steht das Bewußtsein des Erleuchtet-seins (vgl. Lenz 1973, S. 356). Die Fülle der Zeugnisse, deren gemeinsamer Nenner auf der Erfahrung beruht, daß sich – oft mit einem Schlage – alle Rätsel des Lebens und des Weltzusammenhangs gelöst hätten, ist unübersehbar. Hatte sich die präpsychotische Welt zunehmend rätselhaft – undurchdringlich gestaltet, so ist es nun ein „seliger Zustand des Schauens“, der das Erleben dominiert (…). Diese Enträtselung kann mit Bychowski als Erlösung verstanden werden (vgl. Bychowski 1923, S. 149), durch die der präpsychotische Spannungszustand behoben wird zugunsten einer alle Wirklichkeitsaspekte umfassenden Einheits- bzw. Zentralschau (vgl. Bychowski 1923, S. 11). (…) Bychowski hat die Aufhebung der Subjekt-Objekt-Spaltung betont, die eine solche Erkenntnis ermögliche (vgl. Bychowski 1923, S. 140). (…) In der Zweiheit von Schöpfer und Geschöpf findet Leben statt – in der Einheit Erfüllung und Sein.“ (Klahn, S. 84).“

„Wer es so erlebt, für den gibt es keine Zufälle mehr, sondern alles, was ist, und alles was geschieht, ist in wunderbar-geheimnisvoller, teils Schwindel erregender Weise aufeinander bezogen. Hierfür finden Patienten Formulierungen wie „Ich bin alles“, „Gott ist alles“, „Gott ist in allen/allem“ oder „ich bin in allem/allen“ – Die psychotische Wahrnehmung gewährt einen Blick durch das Vordergründige hindurch auf den Grund, das „Eigentliche“, den „eigentlichen“ Zusammenhang der Dinge. Ein Patient berichtet, er habe in solchen Zeiten auf den „Seelengrund“ schauen können. „Erleuchtet“ wird jenseits der unmittelbaren Wahrnehmung das Wesen der Dinge und des Seins.“

„Nicht selten sprechen Patienten von Bewußtseinserweiterung. Mit Janzarik ist hier von einer „impressiven Entzügelung der Wahrnehmung“, von „Reizoffenheit“, von „Überflutetwerden von Eindrücken“ zu sprechen (vgl. Janzarik 1959, S. 88; 1968, S. 43). In einer bis dahin ungekannten Intensität stürmen die Eindrücke auf den Empfänger ein, der diese in elektrisierter Wachheit aufnimmt und verarbeitet. Die Welt, die Menschen und nicht zuletzt das eigene Selbst offenbaren sich mit großer Eindringlichkeit in ihrem „wahren“ Sein.“
Der Schizophrene sieht anders und Anderes. „Was folgte, war zunächst eine paradiesisch schöne Zeit der Befreiung und ungeheuer intensiver Sinneswahrnehmungen. Ich hatte die wunderbarsten Erlebnisse, er war, als wäre ich schon in der Welt der Seligen; in der vierten Dimension…“ (Pawlowna in: Brückenschlag 1991, S. 76). Oft sind es die Eindrücke der umgebenden Natur, die mit einer außergewöhnlichen Empfindsamkeit zur Kenntnis genommen werden. So erklärt mir ein Patient die Zellstruktur eines herbstlichen Blattes in aller Ausführlichkeit und gelangt zu der Erkenntnis, daß jede Zelle Gott anbete bzw. selber ein Gebet sei. Ein anderer Patient lebt wochenlang allein im Wald. Er ist überzeugt, in völligem Einklang mit der Natur zu sein, und achtet peinlich darauf, daß durch seine Bewegungen nichts Lebendes zu Schaden kommt.“

„Die Aufhebung der Zeit scheint ein wesentliches Merkmal jeder mystisch-ekstatischen, aber auch der schizophrenen Erfahrung zu sein. (…) Was sich vorbereitet, ist ein „zeitloses, aber auch zielloses, a-rationales Geschehen.“ (Lenz 1976, S. 32). (…) Das spröde Etikett „einer tiefgreifenden Störung des Raum-Zeiterlebens“ (vgl. Minkowski, zit. n. Huth 1988, S. 313) kann weder dem expansiven Charakter des Erlebens noch dessen mystischer Qualität gerecht werden.“

„Als „seligen Zustand des Schauens“ bezeichnet Weitbrecht die eigenartige Verschmelzung von Gefühl und Erkenntnis in der Ekstase (vgl. Weitbrecht 1948, S. 113). Nicht mehr einzelne Akte des Erkennens bestimmen das Erleben, sondern ein zeitlos-präsentisches Aufgehobensein im numinosen Ereignis.“

„Daß im initialen Stadium der Schizophrenie das Ich des Menschen teils sich wandelt, teils ganz zu verlöschen scheint, ist eine häufig beschriebene Erfahrung. „Es kann sein, daß das persönliche Ich … und der Betreffende eins wird mit Gott oder der Transzendenz oder dem Unaussprechlichen …“ Auch hier gilt, daß das Zeiterleben zurücktritt hinter eine mystisch-präsentische Erfahrung. Wo das Ich eingeschmolzen wird in eine überlegene Wirklichkeit, dort gibt es kein Vorher und Nachher, kein Oben und Unten. Im Hinblick auf diese mystische Erfahrung hat Lenz von einer „einbettenden, überpersönlichen Atmosphäre“ gesprochen, „… in der der spürbare eigene Leib eingeschmolzen ist, der Geist allein waltet.“ (Lenz 1981, S. 187).
Es war vor allem Weitbrecht, der auf Analogien zwischen den psychotischen Phänomenen und den Zeugnissen mystischer Erfahrung hingewiesen hat (vgl. Weitbrecht 1968, S. 116). Die Grenze zwischen Irdischem und Himmlischen, zwischen Gott und Mensch, ist aufgehoben. (…) Das individuelle Ich erübrigt sich in dem Maße, in dem es aufgenommen und veredelt wird von einem Größeren. (…)
„Nach Buber wohnt der Mensch nicht in seinem Ich, sondern er ist dort Mensch, wo die Zweiheit von Ich und Kosmos – oder wenn man will: Gott – aufzuhören beginnt, also dort, wo das Partizipieren an einem großen anderen erlebt wird.“ Dieses Votum bildet bereits eine kritische Stellungnahme gegen die in der Psychiatrie verbreitete Pathologisierung entsprechender Erfahrungen.
Maßgeblich ist der eigentümliche synthetische Impuls, der in der mystischen und in der schizophrenen Erfahrung zur Geltung kommt. Jenseits der Frage nach dem morbus realisiert sich in ihr die Aufhebung von Gegensätzen und die Überwindung unüberwindlich erscheinender Grenzen. Die Einebnung der Ich-Du-Polarität hat bereits Storch als charakteristisch angesehen. Den überschwänglichen Ausruf einer Schizophrenen „Ich und Du, ist das nicht dasselbe?“ versteht er als den Grundgedanken aller mystischen Ekstasen, als die „ekstatische Identitätsformel“ (vgl. Storch 1922, S. 64). Mit dieser Entselbstung geht der Eintritt in eine überlegene neue Welt einher (vlg. Heiler 1923, S. 316f.).
Der „Aufschwung ins Überirdische, Metaphysische“ (vgl. Schmitz 1980, S. 427) ist oft mit der Vorbereitung einer neuen Identität verbunden. Wo sich das „alte“ Ich in einer größeren Einheit findet, wandelt, auflöst, dort kann es sich auch – nicht selten im Sinne einer Aufwertung – neu gewinnen.“

Ausschnitte aus dem Buch „Sein wie Gott – Aspekte des Religiösen im schizophrenen Erleben und Denken“ von Ronald Mundhenk, erschienen im Paranus Verlag, Neumünster 1999/2002.

Ich hätte noch weiter zitieren mögen, z.B. aus den Kapiteln zum Numinosen, zu Berufung und Heiligung, zu Bekehrung und Transpersonalität, …, in Anbetracht dessen, was bereits anhand der hier wiedergegebenen Ausschnitte erkennbar werden könnte. Doch es soll genügen. Das letzte Kapitel dieses Buches trägt übrigens die Überschrift „Bruder Wahnsinn“. Nun, ein derart gottverwobenes Erleben ist vermutlich Vielen ein Wahnsinn („durchgeknallt“ schrieb Kurt hier kürzlich, und löste womöglich damit diesen Artikel aus). Doch wenn ich mich so umschaue in der Welt, denke ich manchmal, dass der wahre Wahnsinn nicht im morbus zu finden ist, sondern in der Normalität unserer Schlachtfelder und Schlachthäuser, in unserem „gesunden“ ökonomischen Denken und Handeln zu Lasten der armen Länder und Menschen, zu Lasten der Natur, auf unseren Straßen und in unseren Ställen, in der ganzen herzlosen Sachlichkeit unserer getriebenen Lebenswelt. Und ja, manchmal auch in unseren Religionen.

Gott geschieht im Kopf. Aber die Welt eben auch.

 

 

 

 

Gott war froh,
als der Prophet
endlich eingeschlafen war,
und er für einen Moment
mal wieder einfach nur
Farbe sein konnte.

Sie sprechen hundert Worte über die Stille, schreiben tausend Sätze über das Geschwätz der Gedanken. Sie erkennen hundertfach, dass es nichts zu erkennen gibt, und diskutieren tausendfach, dass es nichts zu diskutieren gibt. Sie sind erleuchtet über den Unsinn der Erleuchtung, und werten das Werten ab. Sie suchen Zuhörer und Leser, um ihnen die Suche auszutreiben.

Wir sind Menschen. Wir alle.

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Auch der Autor dieser Notiz, welcher sich damit nicht erheben will, weil er sich hiermit überheben würde. Er mag übrigens Zen. Und auch das Sprechen darüber. Das ist ja selbst im Zen ein Trum.


.
.
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Gott

spricht durch dein Herz.

Du bist ein Prophet.

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