„Ein Guru hielt mit seinen Jüngern täglich eine Abendmeditation. Als eines Tages die Hauskatze während dieser Zeit in den Meditationsraum lief und störte, ordnete er an, sie solle während dieser Zeit draußen festgebunden werden. So konnte man von da an wieder ungestört meditieren. Aber die Zeit verging. Der Guru starb und bekam einen Nachfolger. Dieser hielt sich streng an die Tradition, dass während der Abendmeditation draußen ‚eine Katze‘ angebunden sein müsse. Als schließlich auch die Katze starb, wurde eine neue Katze angeschafft, um sie während der Abendmeditation anbinden zu können. Weil die einfachen Leute den Sinn dieser Maßnahme nicht verstanden, traten Theologen auf den Plan und schrieben ein zweibändiges Werk mit vielen Fußnoten über die Heilsnotwendigkeit einer angebundenen Katze während der Abendmeditation. Mit der Zeit jedoch kam die Abendmeditation selbst ganz außer Gebrauch; niemand mehr interessierte sich dafür. Aber mit größter Treue wurde wenigstens der Ritus des Katzenanbindens beibehalten.“

Francis X. D’sa, Leiter des „Institute für the Study of Religion“, Pune

Zitiert nach Richard David Precht: Die Kunst, kein Egoist zu sein, Goldmann 2010, S. 186, welcher wiederum zitiert nach Peter Knauer: Handlungsnetze. Über das Grundprinzip der Ethik, Books on demand GmbH, 2002, S. 12, online hier: http://peter-knauer.de/knauer-ethik.pdf.

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