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Im Rückgriff auf den Beitrag In wachsenden Ringen, Teil 2:

Was wird sich entwickeln, wenn ich tatsächlich alle Konzepte fallen lasse? Die Begriffe und Konzepte von Gott und dem Göttlichen, von Dao und Brahman, von Shunyata und Nirwana, die Konzepte von Christus, Buddha und integralem Holismus? Sämtliche religiösen und spirituellen Konzepte, einschließlich ihrer philosophischen und psychologischen Anteile?

Wenn ich künftig statt dessen ausschließlich darauf meditiere, meinen Geist zu leeren? Wenn ich allein das „reine Gewahrsein“, das wort- und bildlose Bewusstsein meditiere, und jegliches Gedankengebäude davor und danach, darüber und darunter konsequent in meinem Leben weglasse?*

Was wird geschehen?

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*Auch das „reine Gewahrsein“ (dieser Begriff ist lediglich eine Krücke für die Kommunikation) meditiere ich nun seit 13 Jahren, habe es allerdings nie ohne konzeptualen Rahmen getan.

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„Mir war offensichtlich nicht so klar, dass das Bewusstsein nie konkret-punktuell auf einer Stufe zu finden ist, sondern immer auch gleichzeitig nach vorne (oben) und zurück (unten) greift. Die Stufe der Bewusstseinsentwicklung ist also mehr ein statistischer Ort, und seine Bestimmung (Lokalisation) mehr eine Wahrscheinlichkeitsannahme.“

„Wenn die transistente Verdichtung ihre Schwerpunkteigenschaft verliert und zu einem persistenten Fundament für neue Aufweitungen wird, ist es an der Zeit, nicht länger an vertrauten Begriffen und Konzepten festzuhalten, sondern – so schwer es auch fallen mag – entschlossen den nächsten Schritt zu wagen.“

(Notizen aus meinem Tagebuch)

*

Baumringe

*

Der neue Bund, den ich mit euch schließen will,
wird völlig anders sein,
als der alte Bund, an dem ihr hängt und festhaltet,
den ihr gebrochen habt und brechen werdet:

Ich werde euch mein Gesetz nicht auf Steintafeln,
sondern in euer Herz einschreiben.

Ich werde euer sein
und ihr werdet mein sein.

Niemand muss dann noch seine Freunde und Feinde belehren
oder einfordern, mich auf seine Weise kennenzulernen.
Es unterscheidet euch in mir nicht,
welchen Glaubens oder Nicht-Glaubens ihr seid,
welcher Religion ihr anhängt,
oder wie ihr mich nennt.

Denn alle in diesem Bund werden dann wissen,

wer ich bin,

von den Geringsten bis zu den Vornehmsten,
von den Dümmsten bis zu den Schlauesten,
von den Kleinsten bis zu den Größten,
von den Ärmsten bis zu Reichsten,
von den Schwächsten bis zu den Stärksten,
und von den Mächtigsten bis zu den Ohnmächtigsten.

Das sage ich,
der sie führen wird
in Freiheit.

Ich will ihre Sonderung von mir nehmen
und sie aufnehmen
in die eine Liebe.

*

(nach) Jeremia 31,32-34

 
Wann gelingt es uns, damit aufzuhören, Gott nach unserem Bilde zu erschaffen, und zuzulassen, dass Gott uns nach seinem Bilde erschafft (Gen 1,27)?

Wann gelingt es uns, Gott nicht länger als ein Ding, als ein Etwas anzusehen, und damit zu beginnen, Gott als das in der „Schöpfung“ prozesshafte, von einer gesonderten Eigenexistenz leere Sein, Gott wesentlich als Beziehung, zu erkennen, deren Wirkkraft und Verdichtung menschliche Begriffe Liebe nennen?
 
 

„Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.“
Römer 11,36

 

 

.

„Der Mensch lebt die Transzendenz in der Immanenz,
das Essentielle im Phänomenalen.“
[1]

.

In diesem Blog gibt es eine Kategorie, welche mit „Das apersonale DU“ überschrieben ist. Diese drei Worte bilden eine scheinbar in sich widersprüchliche Aussage, an welcher ich, bei allem Verständnis für die gelegentlich mir gegenüber geäußerte Kritik daran, stets festhielt und noch immer festhalte.

In einem ersten diese Kategorie berührenden Artikel schrieb ich vor drei Jahren:
.

„Dem so (…) Schauenden erscheinen die spirituellen Wahrheiten bzw. mystischen Erkenntnisse der Religionen wie verschiedene Fenster, durch die das eine Licht scheint – gleich, ob theistisch von Gott die Rede ist oder atheistisch von anderem. Aber: Ihm, dem so Schauenden, ist es möglich, in diesem “unpersönlichen Absoluten” auch dem persönlichen (und gleichzeitig überpersönlichen, nicht aber personalen) Gott zu begegnen, das DU, das unsagbar geliebt wird und liebt.“

.
Nun las ich in einem Buch des Benediktinerpaters und Zen-Meisters Willigis Jäger etwas dazu, was auf seine Art eine analoge Aussage beschreibt:
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„Wenn die Erfahrung [der Mystik des Eins-Seins mit Gott, Anm. d. Verf.] ins Tagesbewusstsein tritt, wird Gott „Gegenüber“. Gott als Person, Dreifaltigkeit sind theologische Ausdeutungen des Nachher, genauso auch die Formen der Verehrung. Das Zwiegespräch zwischen Gott und Mensch entfaltet sich. Es wird zu Klage und Freude, Trauer und Zuversicht, Liebe und Hingabe, weil wir Menschen sind. Und weil der Mensch mit Verstand, Gefühl, Körper und Sinnen begabt ist und dichten und komponieren kann, wird dieses Zwiegespräch zu Lied und Gedicht, wird zu Zeremonie und Liturgie. Und findet man sich dazu mit anderen zusammen, wird aus all dem Gemeinde und Tempel. Auch „Kirche“ versteht sich ja viel mehr als „Zeichen“ auf etwas hin, als sie hier und jetzt sichtbar machen kann. All das ist Konsequenz aus der Einheitserfahrung mit Gott. Es darf sich davon nicht entfernen. Es soll vielmehr die Einheit verkünden und in Symbol und Zeichen darstellen. Wo das nicht mehr geschieht, wo Form und Ritus zur Magie werden, wird Religion zum Hindernis. Auch christliche Mystik kennt selbstverständlich das Göttliche als Gegenüber und zeigt daher immer auch theistische Züge. Wer sich verneigt, eine Kerze anzündet und Weihrauch ansteckt, auch wenn er es nur als Ausdruck des Göttlichen in sich selbst tut, verkündet die Einheit in der Doppelseitigkeit seiner menschlichen Existenz.

[…]

Der Mensch kann in Bezug auf das Göttliche zwei Wahrnehmungsweisen haben, wenn ihm nur klar ist, dass sich dies aus seiner Geschöpflichkeit ergibt, dass diese zwei Wahrnehmungsweisen in Wirklichkeit eins sind und in der Mystik auch als eins erfahren werden.“ [2]

.
[1] und [2]: Willigis Jäger, Kontemplation, Gott begegnen – heute, Otto Müller Verlag, Salzburg 2001, S. 94 f.

Meine Mystik ist eine Religion
keiner Definitionen,
keines Wissens,
keines Glaubens,
keiner Erkenntnisse,
keiner Wahrheiten,
keiner Dogmen,
keiner Ge- und Verbote,
keiner Ordnung.

Meine Mystik ist eine Religion
keiner Religionen
und aller Religionen.

Gott ist meine Religion.

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