Erst als es losließ, hörte es auf zu fallen. Die Endlosigkeit seines Fluges löste sich in sich selbst auf. Es war ein bedrohlicher, gefährlicher Flug gewesen, denn die Endlosigkeit zerstört und vernichtet, sollte sie ihr Ende finden, anstatt sich in sich selbst aufzulösen. Gut, dass es nicht denken konnte, vielmehr: noch nicht richtig denken konnte. Aber es hatte Empfindungen. Gefühle so weit wie der Raum und Nicht-Raum seines Fluges, so mächtig wie die Ursache seines Falls. Also hatte es Angst, und es war traurig, als es so lange fiel. Aber es fiel nicht tief, da es ja endlos fiel. Es gab keinen Boden, dem sich der Fall näherte. Dies aber wusste es nicht; es konnte noch nicht richtig denken. Und das war gut. Denn hätte es die Endlosigkeit erkannt, so hätte sie sich nicht aufgelöst. Sie hätte ihr Ende gefunden: in einem Boden, der sich nähert. Da es aber ein wenig, ansatzweise nur, wie verschwommen, denken konnte, ahnte es, dass es irgendwann loslassen muss. Jedoch der beginnende Gedanke fand nicht seine Folge und nicht sein Ziel.

So sah es im Flug zunächst den Himmel. Schwarz erst, den Blick einfangend nur in den Sternen, die ein vorbeigehender Mond berührte. Dämmernd, in kaltem, tiefdunklen Blau, bald in wärmendem Violett, glühend dann in brennendem Rot, sich wandelnd schließlich in das tragende Blau des Taghimmels. Und es sah die Wolken, kleine weiche weiße, große kantige graue und formlos geformte mächtige blauschwarze Wolken. Aber es ließ nicht los, es klammerte sich fest, ganz fest, in seiner großen Angst.

Dann sah es die Erde: Ebenen, Täler und Berge, Flüsse, Seen und Meere. Und es sah das Leben auf der Erde: Pflanzen, Tiere und auch Menschen. Aber es sah dies nur, nicht mehr. Und es fiel nicht auf die Erde zu, es flog an ihr vorüber. Also ließ es auch nicht los, denn es hatte Angst.

Schließlich hörte es die Musik, die aus dem Nirgendwo und Irgendwann kam, dort, wo die Stille ausruht, ihre Last ablegt. Und die abgelegte Last war Musik, leise nicht und auch laut nicht. Schnell nicht und auch langsam nicht. Ohne Rhythmus war sie, denn es war da keine Zeit. Endlich aber wurde die Angst beruhigt, ein wenig. Doch es ließ nicht los.

Wie auch hätte es loslassen sollen? Es konnte noch nicht richtig denken, also auch nicht erkennen. Und das war gut. Denn hätte es die Endlosigkeit erkannt, so hätte sie sich nicht in sich selbst aufgelöst. Sie hätte ihr Ende gefunden: in einem Boden, der sich nähert. Da es aber ein wenig, ansatzweise nur, wie verschwommen, denken konnte, ahnte es, dass es irgendwann loslassen muss. Und die Angst hätte endlich ein Ende. Jedoch der beginnende Gedanke fand nicht seine Folge und nicht sein Ziel.

So näherte es sich also der Endlosigkeit. Der Himmel war nicht mehr, nicht die Wolken, nicht die Erde und ihr Leben, und auch nicht die Musik. Und es begann die Endlosigkeit. Endlos begann sie, endlos war sie, unverrückbar endlos blieb sie. Und endlos wurde auch die Angst, groß und größer, mächtig und übermächtig. So wurde es traurig, sehr traurig, übermächtig und endlos traurig. Denn es hatte Empfindungen. Gefühle so weit wie der Raum und Nicht-Raum seines Fluges, so mächtig wie die Ursache seines Falls, so übermächtig, dass das Denken, welches noch nicht richtig war, sein Ende fand. Denn die Endlosigkeit war nur um es herum, und nur in der Angst, und nur in der Traurigkeit, nicht aber in ihm. Das hatte es nicht erkannt, da es noch nicht richtig denken konnte. Und das war gut. Denn hätte es die Endlosigkeit und ihren Ort erkannt, so hätte sie sich nicht in sich selbst aufgelöst. Sie hätte ihr Ende gefunden: in einem Boden, der sich nähert. Da aber das Denken sein Ende fand, hatte es losgelassen. Und als es losließ, hörte es auf zu fallen. Die Endlosigkeit seines Fluges löste sich in sich selbst auf.

 

Endlos ist endlich das eine Wesen, wenn es ankommt, in der Auflösung der Endlosigkeit in sich selbst.

 

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