© Stefan Kraus
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Früher warst du am liebsten mit anderen am Berg. Du hattest jemanden, der dich sichert, und es war dir wichtig, gemeinsam mit anderen die Schwierigkeiten zu meistern, die Freude unterwegs und die Freude am Gipfel mit jemandem teilen zu können, gemeinsam zu fluchen, gemeinsam zu lachen. Und ein wenig war dir auch wichtig, anderen später von deinen „Leistungen“ zu erzählen.

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© Stefan KrausDann begannst du, auch alleine in die Berge zu gehen. Du hast dabei so manche Dummheit gemacht, den Wahnsinn geküsst, haltlos, und ein paar mal nicht gewusst, ob du den Abend noch erleben würdest. Es war laut in dir. Aber irgendwann fingst du an zu begreifen, dass du in diesem allein-Unterwegssein nicht mehr einsam warst.

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© Stefan KrausNun gehst du am liebsten ganz allein in die Berge. Möglichst abseits namhafter Gipfel, beliebter Anstiege, und anderer Menschen. Nur für dich. Du suchst keine Schwierigkeiten mehr, und keine Gefahren. Du hast gelernt, dich weglos und ohne Karte zu orientieren. Es ist still in dir geworden, wenn du so allein unterwegs bist. Zeit des Friedens.

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„Ich bin nicht der, der ich mit Worten und Gehabe zu sein vorgebe. Noch weniger bin ich der, der ich in den Vorstellungen der anderen (…) zu sein habe. Vielleicht bin ich erkennbar durch mein Tun. Wie unsere Sprache die Widerspiegelung unserer Welt ist, ist unser Tun die Widerspiegelung unserer Seele. Das behaupte ich. Einfach so.“

(Reinhold Messner, 13 Spiegel meiner Seele,
Piper Verlag München 1994, S. 19)

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