O großer Geist,
dessen Stimme ich in den Winden vernehme
und dessen Atem der ganzen Welt Leben spendet,
höre mich.

Ich trete vor dich hin als eines Deiner vielen Kinder.
Ich bin klein und schwach.
Ich bedarf Deiner Kraft und Weisheit.

Lass mich in Schönheit wandeln
und lass meine Augen immer den roten und purpurnen Sonnenuntergang schauen.
Lass meine Hände die Dinge verehren,
die Du gemacht hast,
und meine Ohren Deine Stimme hören.

Schenke mir Weisheit,
damit ich die Dinge, die Du mein Volk gelehrt hast,
und die Lehre, die Du in jedem Blatt und jedem Felsen verborgen hast,
erkennen möge.

Nicht um meinen Brüdern überlegen zu sein, suche ich Kraft,
sondern um meinen größten Feind bekämpfen zu können – mich selbst.

Mache mich immer bereit,
mit reinen Händen und geradem Blick zu Dir zu kommen,
damit mein Geist,
wenn dereinst mein Leben verblasst wie die untergehende Sonne,
ohne Scham zu Dir kommen möge.


Anrufung der Sioux-Indianer


aus: Die schönsten Gebete der Welt, Hrsg. Christoph Einiger und Charles Waldemar, Cormoran, München 1996, S. 157

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