„Nur Ruhe will ich …“, seufzt Kundry im ersten Akt des „Parsifal“ von Richard Wagner. Das darin erkennbare Sehnen nach Erlösung ist das zentrale Motiv dieses Musikdramas, und es wird im Geschehen wie in den Charakteren immer wieder mit dem Guten verknüpft. Mitleid ist dabei der Weg zur Erkenntnis („Durch Mitleid wissend, der reine Tor“). Auch in Kundrys Sehnsucht wird die Erlösung, der innere Friede, mit dem Guten (als das nach außen Wirkende) verbunden:

„Nie tu‘ ich gutes; nur Ruhe will ich,
nur Ruhe, ach! Der Müden.“

Gutes – Güte. Das neulich hier zitierte Metta-Sutta spiegelt eine Entsprechung: Frieden des Geistes durch (unbegrenzte) Güte. Es wäre ein Missverständnis, diese vorrangige Streben nach dem Frieden des Geistes als einen Egoismus zu betrachten. Nein, das Sutra von der liebenden Güte ist Ausdruck der Einsicht, dass der eigene Friede, das eigene Glück abhängt vom Frieden und vom Glück aller, und gleichzeitig unverzichtbare Grundlage ist für den Frieden und das Glück aller;
Ausdruck des Erkennens, dass Wir und Ich eine Einheit bilden. Weder die alleinige Bezogenheit auf sich selbst, noch eine ausschließliche Aufopferung seiner selbst, noch nur das Wechselspiel von „mal ich, mal ihr“ schafft Frieden und Glück über einige kurze Momente Einzelner hinaus. Eigentlich ist es dann ganz einfach, und Mahatma Gandhi drückte das in dem bekannten Zitat so aus:

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“

Es kann keinen Frieden in der Welt geben, wenn er nicht im Einzelnen liegt. Es gibt kein Glück der Gemeinschaft, wenn nicht die Einzelnen glücklich sind. Es beginnt keine Veränderung der Gesellschaften, Strukturen und Systeme, wenn sie nicht in dir und mir beginnt.

Doch die Umsetzung ist dann nicht mehr ganz so einfach. Sie muss mit der menschlichen Schwäche, mit der eigenen Schwäche rechnen. Das hat auch der Verfasser des Metta-Sutta erkannt: Er spricht nicht von Verwirklichung, sondern von Bemühung und Gesinnung.

Dass ich mit dem Metta-Sutta in eine Blogpause ging, war kein Zufall. Es war für mich der Einstieg in Alltagsexerzitien. Die Exerzitien unterbrach ich aus verschiedenen Gründen (denn es ist besser, sie zu unterbrechen, als nur halbherzig mit ihnen fortzufahren). Nun werde ich sie wieder aufnehmen und damit erneut in eine kleine Blogpause eintreten.

Es mag vielleicht eine recht eigenwillige Sichtweise sein, wenn ich in der Bergpredigt des Jesus Christus eine Parallele zum Sutra von der liebenden Güte erblicke. Ich möchte hier die Bergpredigt für die nächste Zeit hinterlassen, in Auszügen der m.E. gut gelungenen Fassung der Basisbibel, welche die Seligpreisungen zu Glückseligpreisungen macht.

Die Bergpredigt

Als Jesus die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich
und seine Jünger kamen zu ihm.

Jesus begann zu reden und lehrte sie:

Die Bergpredigt: Wer glückselig ist (Die Seligpreisungen)

„Glückselig sind die, die wissen, dass sie vor Gott arm sind. Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Glückselig sind die, die an der Not der Welt leiden. Denn sie werden getröstet werden.

Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind. Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.

Glückselig sind die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Denn sie werden satt werden.

Glückselig sind die, die barmherzig sind. Denn sie werden barmherzig behandelt werden.

Glückselig sind die, die ein reines Herz haben. Denn sie werden Gott sehen.

Glückselig sind die, die Frieden stiften. Denn sie werden Kinder Gottes heißen.

Glückselig sind die, die verfolgt werden, weil sie tun, was Gott will. Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Glückselig seid ihr, wenn sie euch beschimpfen, verfolgen und verleumden – weil ihr zu mir gehört.

Freut euch und jubelt! Denn euer Lohn im Himmel ist groß! Genauso wie euch haben sie früher die Propheten verfolgt.“

Die Bergpredigt: Den Willen Gottes im Gesetz ganz ernst nehmen

„Denkt ja nicht, ich bin gekommen, um die geltenden Lebensregeln außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um sie außer Kraft zu setzen, sondern sie zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Solange Himmel und Erde bestehen, wird im Gesetz kein einziger Buchstabe und kein Satzzeichen gestrichen werden – das ganze Gesetz muss erfüllt werden. Keines dieser Gesetze wird außer Kraft gesetzt – selbst wenn es das Unwichtigste ist. Wer das tut und es anderen Menschen so lehrt, der wird der Unwichtigste im Himmelreich sein. Wer sie aber befolgt und das anderen so lehrt, der wird der Wichtigste im Himmelreich sein.

Denn ich sage euch:

Wenn ihr den Willen Gottes nicht besser erfüllt als die Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr niemals in das Himmelreich kommen.“

Die Bergpredigt: Das Gebot, nur maßvoll zu vergelten

„Ihr wisst, dass gesagt worden ist: ‚Auge um Auge und Zahn um Zahn!‘

Ich sage euch aber:

Wehrt euch nicht gegen Menschen, die euch etwas Böses antun!

Sondern:

Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch deine andere Backe hin!

Und wenn dich jemand verklagen will, um deine Kleider als Pfand zu bekommen, dann gib ihm auch noch den Mantel dazu!

Und wenn dich jemand dazu zwingt, seine Sachen eine Meile zu tragen, dann geh zwei Meilen mit ihm!

Wenn dich jemand um etwas bittet, dann gib es ihm! Und wenn jemand etwas von dir leihen will, sag nicht ‚Nein‘.“

Die Bergpredigt: Das Gebot, den Mitmenschen zu lieben

„Ihr wisst, dass gesagt worden ist: ‚Liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind!‘

Ich sage euch aber:

Liebt eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen! So werdet ihr zu Kindern eures Vaters im Himmel!

Denn er lässt seine Sonne aufgehen über bösen und über guten Menschen. Und er lässt es regnen auf gerechte und auf ungerechte Menschen.

Denn wenn ihr nur die liebt, die euch auch lieben: Welchen Lohn erwartet ihr da von Gott? Verhalten sich die Zolleinnehmer nicht genauso?

Und wenn ihr nur eure Geschwister grüßt: Was tut ihr da Besonderes? Verhalten sich die Heiden nicht genauso?

Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“

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Mögen alle Wesen glücklich sein und Frieden finden.

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