Da hat Kurt mir aber eine schwere Aufgabe gestellt…

Gelegentlich spukt in den Köpfen einiger Leute hinsichtlich spiritueller Menschenliebe ja das romantisierende Bild von unablässig überbordender Liebestrunkenheit. Spirituelle Menschen laufen in weißen Gewändern herum und umarmen und knutschen rund um die Uhr die gesamte Menschheit. Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt…

Doch wie sieht die Realität aus? Nun, der hormonelle Status einer Dauerverliebtheit funktioniert vermutlich schon aus biologischen Gründen nicht. Und damit wäre man bereits bei der Frage nach der Definition der Menschenliebe angelangt; mit all ihren Schwierigkeiten, wenn man versucht, Eros, Agape, Libido, Caritas, Philia, … auf etwas benennbar Eines zurückzuführen.

Und dann ist da nicht nur eine Realität. Die Realitäten der Menschenliebe: Hängt deren Art und Tiefe nicht wesentlich auch vom Menschenbild ab? Vielleicht sollte der spirituelle Mensch bei dieser Frage mal kurz seine idealisierenden Vorstellungen ablegen. Da ist zum Beispiel die Realität eines abgeschiedenen Klosters in den Bergen. Die Mönche, die darin leben und göttliche Liebe meditieren, haben wohl ein ganz anderes Menschenbild als die Prostituierte im Hamburger Rotlichtviertel. Und das gilt auch für die weniger extremen Fälle. Man wird immer wesentlich auch mitgeprägt von seiner Umgebung, von dem (und denen), mit dem (und denen) man tagtäglich zu tun hat – entweder dadurch, dass man dem (und denen) ähnlich wird, oder dass man dies (und jene) am Ende mit der ganzen Welt und Menschheit gleichsetzt, und verengelt oder verteufelt (überspitzt, und je nachdem halt). Nichts davon spricht prinzipiell gegen Menschenliebe. Aber es es spricht davon, dass 1 + 1 nicht immer 2 sind.

Weiter stellt sich die Frage nach der „Echtheit“ der Liebe. Zu wie vielen Menschen kann man denn eine echte (Liebes-)Beziehung aufbauen? Sind es 5 Menschen, 150 Menschen (die magische Zahl der Sozialpsychologie), 1 Millionen (Seid umschlungen!), oder prinzipiell alle 7 Milliarden? (Oder doch nur einer?)

Ist Menschenliebe am Ende nur ein anerzogenes Bemühen?

Und wonach eigentlich frage ich? Ist Liebe überhaupt teilbar? Ein bisschen für diesen, ein wenig für jene… Lässt sich Liebe – so ganz am Grunde – überhaupt in Tierliebe und Menschenliebe unterscheiden? Oder anders: Liegt die Unterscheidung von Tier- und Menschenliebe nicht lediglich im Blick auf die Empfänger, wobei das Sendende im Sender hingegen …

Da fragt jemand nach der Menschenliebe, und statt einer Antwort tauchen nur Fragen auf.

Zum Glück bin ich da einfacher gestrickt. Ja, ich liebe die Tiere. Das kann ich so pauschal sagen. Was die Menschheit anbelangt: Das kann ich nicht so pauschal sagen. Da bin ich nicht selten stinksauer: Auf die Menschheit (Kriege, Umweltzerstörung, Ausbeutung von Tieren und Menschen, …), und auf Menschen (Lug und Betrug, Geldgier [Seid umschlungen, Millionen!], Egoismus, Maß- und Rücksichtslosigkeit, …). Bei aller Bewusstheit, wie viel Mist ich selbst baue: Mein Menschenbild ist nicht sonderlich gut. Aber immerhin verprügel ich niemanden, und ich erschieße auch niemanden. Das ist doch auch schon was, oder?

Dieser Artikel ist ein kleiner Rückgriff auf einen Kommentar von Kurt im vorletzten Artikel, welcher endet mit den Worten: „ich freu mich schon auf menschenliebe…“. Mein Stil ist hier ein klein wenig ungewohnt für diesen Blog. Man möge es mir nachsehen..

Und ein Zitat noch, weil es viel mit der Realität spiritueller Menschenliebe zu tun hat:

„der Zusammenhang eines fortschrittlichen daseins kopiert im Wissen und der Sprachlosigkeit beinhaltet weder den text ,noch das Gewissen. es ist uns allen gegeben..- nur was du ,drausmachst ist allein .-deine Sache“
(Kurt)

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