„In Wahrheit ist Gott die Weite unseres Herzens und die Unendlichkeit unseres Denkens. Alles, was wir je von Gott verstehen werden, ist in den Gesetzen unserer Entwicklung und Reifung eingeschrieben, die kein anderes Maß und kein anderes Ziel kennen als ihn selber, den Unendlichen. Denn dies ist das Geheimnis unserer Art, Gott zu begegnen: Je tiefer wir unser eigenes Wesen spüren, desto mehr werden wir merken, daß es keine Grenzen gibt; so wenig, wie es den Schwalben im Sommer genügen kann, nur zwischen den Häuserzeilen eines kleinen Dorfes hin- und herzufliegen, und so sehr sie spätestens in den ersten Septembertagen die Sehnsucht nach der grenzenlosen Weite der Meere und Gebirge überkommen wird, so wird uns die Sehnsucht zum Unendlichen ergreifen.“

Eugen Drewermann, Das Markusevangelium, II S. 291
zitiert nach: E. Drewermann, Worte für ein unentdecktes Land, Herder 1992, S. 101f.
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