Wenn Gott dir mal wieder unendlich fern scheint,

dann möge dir geschenkt werden
einmal zu lauschen,

wie tief unter dem Leiden deiner Psyche,
wie weit unter der Unruhe deines Geistes,
wie unterhalb deines Zornes,
wie hinter dem Lärm deiner Welt
und der Hektik deines Tages

unentwegt deine Seele Gott atmet.

Wenn man dir sagt,
Gott sei unverfügbar,
seine Nähe ein Akt der Gnade,
dann rebelliere dagegen,
indem du dich an diesen Moment des Lauschens erinnerst.

Mit welchem Recht
verdrehen wir unsere Begrenztheit
in der Fähigkeit zu lauschen,
wie unsere Seele unentwegt Gott atmet,
in einen Gnadenakt des Allgegenwärtigen?

Gott ist uns in jedem Moment näher als unsere Haut.
Auch wenn wir das oft nicht bemerken.

(Geschenkt wird uns lediglich
ein gelegentlicher Kurzschluss unserer Neuronen und Synapsen,
der für einen Moment unsere Begrenztheit aufhebt.)

Deine Psyche wird wieder leiden,
dein Geist wieder unruhig werden,
du wirst aufs Neue Zorn, Lärm und Hektik erfahren.
Du bist eben ein Mensch.
Doch du erinnerst dich:

Unentwegt atmet deine Seele Gott.

Das ist ein wichtiges Stück Frieden für dich.

(Ich hoffe mit dieser kleinen Ketzerei niemandem zu nahe zu treten…)

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