Vorgestern war ein kalter, windiger und regnerischer Tag. Wieder einmal musste ich berufsbedingt einen landwirtschaftlichen Betrieb besuchen. Draußen vor den Stallungen waren die Kälberboxen aufgestapelt. Die vor wenigen Tagen von ihren Müttern getrennten Kälber zwängten darin ihre Köpfe durch die Gitterstäbe, im Versuch, wenigstens ein klein wenig Körperkontakt zu Artgenossen zu erlangen.

Einige von ihnen, die weiblichen Kälber, werden schon bald auch in den Ställen stehen und für nur wenige Jahre Milch produzieren, bis sie sich nicht mehr rentieren und geschlachtet werden. Die meisten männlichen Kälber werden bereits in einigen Tagen, spätestens in wenigen Wochen getötet. Sie wurden geboren, damit ihre Mütter Milch produzieren.

Wieder einmal ließen mich die Bilder von den Kälbern in den engen Boxen nicht los. Soviel sinnloses Leiden und Sterben für die unnötigen Milch-, Fleisch- und Lederprodukte einer übersättigten Wohlstandsgesellschaft…

Und wieder einmal forschte ich dann viele Stunden, was die Religionen dieser Welt zu unserem Umgang mit den Tieren sagen. Aber gleich, auf was ich stieß: Immer, wenn es um den Einbezug der Tiere in die Liebe Gottes, um Vegetarismus/Veganismus in den Religionen oder der Spiritualität ging, wurden einzelne Stellen aus den heiligen Schriften bemüht, nicht selten auch aus dem Zusammenhang gerissen oder gar verdreht, wurden Empfehlungen, Gebote und Gesetze angeführt oder Aussprüche berühmter Persönlichkeiten, Heiliger und spiritueller Führer zitiert.

Es scheint nicht zu genügen, sich einfach nur zu öffnen und Mitgefühl auch für unsere nicht-menschlichen Mitgeschöpfe zu entwickeln.

Es scheint nicht zu genügen, dass Gott nach der Liebe und Barmherzigkeit in unseren Herzen fragt.

Erinnern wir uns denn nicht mehr an das Versprechen, das unsere Seele Gott gab, als er uns berührte?

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