Leistung und Konkurrenz spielte in unserer Gesellschaft und ihrem Berufsleben schon immer eine Rolle. Sie sind das Prinzip, das unser Wirtschaftssystem trägt und Wachstum ermöglicht – ob man dieses System nun gut heißt oder nicht.

Doch in den letzten Jahren, so scheint mir, hat sich eine dramatische Veränderung ergeben: Aus einer Richtungsweisung ist so etwas wie ein absolutes Gesetz geworden. Das spiegelt sich nicht nur darin, dass zunehmend  die grundgesetzlich als soziale Marktwirtschaft konzipierte bundesdeutsche Wirtschaft aus dem Bewusstsein der Bevölkerung – und immer wieder auch der Politik – schwindet und offenbar durch eine freie Marktwirtschaft ersetzt wird. Immer weniger scheinen auch die sogenannten „Leistungsträger“ bereit, Schwächere und Nichtleistende mitzutragen. Fairness und Ehrlichkeit mögen auch früher nicht immer üblich gewesen sein, waren jedoch als wichtige Werte anerkannt. Heute scheint eher die Sicht vorzuherrschen, dass altmodisch und dumm ist, wer sich um sie bemüht.

In letzter Zeit fällt mir, wenn mir so etwas begegnet, des öfteren ein „Glaubensbekenntnis“ ein, das ich vor vielen Jahren in einem Buch Eugen Drewermanns las:

„Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde“ bedeutet (…) so viel wie: „Ich entwerfe eine ‚Welt‘, die nicht getragen ist von Angst und Aggression, von Kampf und Konkurrenz, von Regeneration und Degeneration, sondern die bestimmt ist von Vertrauen und Versöhnung, von Mitleid mit Leid und von der Wertsetzung und Wertschätzung der Persönlichkeit eines jeden Einzelnen; ich entwerfe eine ‚Welt‘, in der mein eigener Entwurf nicht länger von den Besorgungen der Sorge und den Notwendigkeiten der Not geprägt ist, sondern in der ein jeder selbst sich umfangen weiß von einer angstlösenden, kreativen, ‚väterlichen‘ Fürsorge, die nicht ‚alles‘, aber das Ganze durchwaltet; ich entwerfe eine ‚Welt‘, in der nicht länger mehr der ‚Erfolg‘ bei der Weitergabe der Gene entscheidet, sondern in der eine Liebe möglich wird, die einen anderen Menschen als einen absoluten Selbstwert im Dasein entdeckt; ich entwerfe eine ‚Welt‘, in der ‚Fehler‘ nicht sogleich mit Vernichtung bestraft werden, sondern in der Absichten wichtiger sind als Ergebnisse, in der Lernen und Reifen wichtiger ist als der Anspruch auf Perfektion und Routine und in der ein verständnisvoller Umgang miteinander wichtiger ist als das zielgenaue Ausnutzen der Schwächen des anderen.“

Eugen Drewermann: „…und es geschah so – Die moderne Biologie und die Frage nach Gott“, Glauben in Freiheit, Band 3/II, S. 848; Walter-Verlag 1999
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