Es ließe sich Fragen, ob die heiligen Schriften der Religionen dergestalt Gottes Wort sind, wie viele Gläubige – vielleicht die meisten – sie verstehen: Getrennt und unabhängig von ihnen selbst als Gottes Rede. Glaube zeigt sich hier als Glaube an die Wahrheit äußerer Texte; und welcher Art diese Wahrheit sei, versucht die Theologie zu ergründen. Aus diesen Texten und ihren durch die Gelehrten und Theologen bestimmten Wahrheiten leiten die Religionen ihre Daseinsberechtigung, ihre Regeln und Gesetze, Gebote und Verbote ab.

Es ließe sich aber auch fragen, ob Gott nur dann in diesen – von Menschen geschriebenen – Texten spricht, wenn sie im Lesenden eine religiöse oder spirituelle Erfahrung hervorrufen. Ist der Kern des Glaubens denn nicht ein innerer Akt der Begegnung zwischen Mensch und Gott?

(Anmerkung: Eine Frucht besteht nicht nur aus ihrem Kern. Religion und Theologie können zur Reife des Fruchtfleisches beitragen.)

Advertisements