Dem so, wie im vorangegangenen Artikel beschrieben, Schauenden erscheinen die spirituellen Wahrheiten bzw. mystischen Erkenntnisse der Religionen wie verschiedene Fenster, durch die das eine Licht scheint – gleich, ob theistisch von Gott die Rede ist oder atheistisch von anderem.  Aber: Ihm, dem so Schauenden, ist es möglich, in diesem „unpersönlichen Absoluten“ auch dem persönlichen  (und gleichzeitig überpersönlichen, nicht aber personalen) Gott zu begegnen, das DU, das unsagbar geliebt wird und liebt.

Ein wunderbares Zeichen dafür ist das Visvavajra (tibetisch Dorje, im Bild als Doppeldorje), eines der bedeutungsvollen Zeichen im Osten, in Indien und in Tibet, das für diesen Blog gewählt wurde. Es symbolisiert das Absolute der Existenz, das überall („in allen 4 Himmelsrichtungen“) vorhanden und zu finden ist, auch Shunya, die „Leere“, die höchstmögliche Erkenntnis der menschlichen Wesen, und die Erleuchtung – die höchstmögliche menschliche Entfaltung. Es steht weiterhin für die Vereinigung von Weisheit und Mitgefühl sowie die Verbundenheit des Göttlichen mit dem Irdischen.

Das Visvavajra hat zwar eine besondere Bedeutung für Hindus, Buddhisten, Tibeter u.a., überschreitet jedoch in seiner Bedeutung und seinem Symbolgehalt die Grenzen einzelner Religionen, und wird dementsprechend als Symbol metareligiös verwendet. Unter spirituellen Suchern im Westen ist es auch bekannt als Symbol der Unzerstörbarkeit des spirituellen Wegs – der Suche nach Bewusstheit.

In seiner Kreuzform vereint es zudem das Zeichen des Christentums, in dem das liebende DU des persönlichen Gottes erst möglich wurde, mit der allgemeinen Symbolik der Kreuzesform als Verbindung des Göttlichen mit dem Menschlichen (senkrechter Balken) und gleichzeitig der gesamten Schöpfung (horizontaler Balken) sowie mit der Symbolik fernöstlicher Religionen.

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