Der Seelengrund ist sowohl Grund etwa im Sinne von „Ursache“ der Seele, als auch der Grund im Sinne eines „Fundamentes“. Er ist also der Grund, die Gründung und am Grunde der Seele. Damit ist der Seelengrund gleichzeitig auch das, was in der Seele über die Seele hinausweist.

Der Seelengrund als das Absolute kennt keinen Gott, und ist nur auf sich selbst bezogen, bzw. auf nichts bezogen. Gleichzeitig aber bildet er das Fundament, das Gott „verursacht“ – den auf die Schöpfung bezogenen Gott. So ist Gott das Absolute, Nirvana, Leerheit, Soheit, Brahman; und im (wie durch den) Menschen der auf die Schöpfung bezogene Gott, Samsara, Dharmas, JHWH (…). Es sind nicht zwei Götter, auch nicht zwei Seiten des Einen, sondern beides ist Eins.

Im Seelengrund kann der Mensch (im Rahmen seiner Begrenztheit) das Absolute gewahr werden, wenn er still wird, sich leert, sich auch von Gott löst, und so hinter die Schöpfung zurücktritt. Das Unwandelbare, das nicht durch die stets in Wandlung begriffene Schöpfung „getrübte“, beginnt aufzuscheinen. Das „schauende Selbst“ wird Ursache seiner selbst, eins mit dem Absoluten:Die Gottesgeburt im Seelengrund, die unio mystica, aus der auch der Gott, der in Bezug auf die Schöpfung Gott ist, hervorgeht. Denn das Absolute, der auf die Schöpfung bezogene Gott und die Schöpfung sind Eins.

Die mystische Einheitserfahrung soll weder als Einzelerlebnis auftreten, noch soll sie den Menschen unverändert lassen. Der Seelengrund erhebt sich in der Zeit über die Zeit, zu Gott als das Absolute und den Schöpfer, als „Verortung“ der Seinsgegenwart Gottes über die Bewusstseinsenge menschlicher Existenz. Der Seelengrund ist Gott (oder das Göttliche) und Ursache Gottes zugleich. Ihn in seiner Gänze und menschenmöglichen Klarheit nicht nur zu erkennen, sondern im Leben zu verwirklichen, ist das Ziel des spirituellen Weges.

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