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Kann sein,
dass ein mit ganzem Herzen
erlebter Sonnenaufgang
mehr zählt vor Gott,
als alle halbherzigen Morgengebete
eines Menschenlebens zusammen.

(Kann sein,
dass Gott nicht zählt.)

“Es war ein Strom mystischer Einsfühlung,
in den nicht nur die Mitmenschen,
sondern alle Kreaturen (…)
mit einbeschlossen waren.”

Aus: Der Liebhaber der Armut
in: Franz von Assisi – Geliebte Armut
Hrsg. Thomas und Gertrude Sartory
Herder Spektrum 1991. S. 19

“Kein Wunder, daß das Feuer und andere Geschöpfe
ihm willfährig waren und ihre Ehrfurcht vor ihm bekundeten;
denn wir, die wir mit ihm zusammenlebten, haben oft gesehen,
wie er sie innig liebte und Freude an ihnen hatte
und wie er ihretwegen im Geist von zartem Mitleid gerührt war,
wenn er mitansehen mußte, daß man sie grob behandelte.
Er pflegte mit ihnen in sichtbarer Herzensfreude zu reden,
als würden sie Gott empfinden, verstehen und von ihm reden,
und oft ward er bei solchem Anlaß in Gott entrückt.”

Aus: Spiegel der Vollkommenheit
in: Franz von Assisi – Geliebte Armut
a.a.O. S. 103

O großer Geist,
dessen Stimme ich in den Winden vernehme
und dessen Atem der ganzen Welt Leben spendet,
höre mich.

Ich trete vor dich hin als eines Deiner vielen Kinder.
Ich bin klein und schwach.
Ich bedarf Deiner Kraft und Weisheit.

Lass mich in Schönheit wandeln
und lass meine Augen immer den roten und purpurnen Sonnenuntergang schauen.
Lass meine Hände die Dinge verehren,
die Du gemacht hast,
und meine Ohren Deine Stimme hören.

Schenke mir Weisheit,
damit ich die Dinge, die Du mein Volk gelehrt hast,
und die Lehre, die Du in jedem Blatt und jedem Felsen verborgen hast,
erkennen möge.

Nicht um meinen Brüdern überlegen zu sein, suche ich Kraft,
sondern um meinen größten Feind bekämpfen zu können – mich selbst.

Mache mich immer bereit,
mit reinen Händen und geradem Blick zu Dir zu kommen,
damit mein Geist,
wenn dereinst mein Leben verblasst wie die untergehende Sonne,
ohne Scham zu Dir kommen möge.


Anrufung der Sioux-Indianer


aus: Die schönsten Gebete der Welt, Hrsg. Christoph Einiger und Charles Waldemar, Cormoran, München 1996, S. 157


Wie oft
mag das Feuer meiner Rede
verbrannt haben,
statt zu wärmen?

Stille Schönheit
in der Kälte.

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